Innsbruck (OTS) Vergabeprozedere, Klima- und Menschenrechtssituation – nichts kann die Makel der Wüsten-WM in Katar übertünchen. Nur die FIFA versucht, das beklemmende Gastspiel im Emirat als Show mit ärgerlichen Schönheitsfehlern zu deklarieren.

Es war im Dezember 2021, da ging eine vermeintlich belanglose Meldung in der hektischen Betriebsamkeit vor dem anstehenden Weihnachtsfest nahezu unter: Das Handelsministerium von Katar beschlagnahmte im Zuge von „Inspektionen“ Kinderspielzeug in Regenbogenfarben – sie würden gegen die „islamischen Werte“ verstoßen. Das verwunderte ein wenig:
Erst wenige Tage zuvor hatte Nasser Al-Khater, der Vorsitzende des Organisationskomitees, Personen aller sexuellen Orientierungen bei der Fußball-Weltmeis­terschaft in seinem Land „willkommen“ geheißen. „Niemand wird bedroht, niemand muss sich unsicher fühlen.“
Doch der Glaube an Lippenbekenntnisse wie dieses schwindet zusehends, je mehr die Großveranstaltung in den Fokus rückt. Denn das Bemühen um makellose Außendarstellung bekommt regelmäßig Risse, wenn wieder einmal Statistiken über tödlich verunglückte oder nicht entlohnte Arbeitsmigranten nach außen dringen. Es dürfte sich dann um eine jener PR-Pannen handeln, die den auf „Greenwashing“ geeichten WM-Verantwortlichen selten passieren. Eine von zahlreichen Regimen gerne verwendete Praktik:
Mithilfe von Events soll das schlechte Image eines Landes aufpoliert werden, das sich im Blickfeld der Weltöffentlichkeit weniger durch Offenheit als durch rigides Vorgehen gegen Demokratiebestrebungen auszeichnet. Katar steht in den Augen seiner Machthaber für prachtvolle Infrastruktur, für Vorreitertum, für Naturschutz, alles finanziert durch Ölreserven.
Doch die Katar-WM firmiert nicht zuletzt als Synonym für die Verdorbenheit einer Sportwelt, die sich längst an ökonomischen Werten orientiert und ethisch-moralische Aspekte in den Hintergrund stellt. Der Weltfußballverband FIFA scheint es sich zur Gewohnheit gemacht zu haben, Krisen auszusitzen und auf die Strahlkraft seiner Protagonisten auf dem Rasen zu vertrauen. Bis zum 20. November, dem Tag der Eröffnung, müssen Präsident Gianni Infantino und seine Mitverantwortlichen noch durchhalten. Eine Zeit, in der sie Medienkritik als Nestbeschmutzerei geißeln können, um im gleichen Atemzug auf die Magie einer Fußball-Weltmeisterschaft und die Macht der Veranstaltung zu verweisen. Noch nie wurde der legendäre Ausspruch von Nobelpreisträger Nelson Mandela wohl so falsch verwendet: Sport habe die Kraft, die Welt zu verändern, meinte FIFA-Präsident Gianni Infantino kürzlich. Kaum vorstellbar, dass Mandela das genauso sah.

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