Innsbruck (OTS) Die europäische Kapitalverkehrsfreiheit prallt in Tirol auf die knappe Ressource Dauersiedlungsraum. Die Sünden aus der Vergangenheit mit dem Ausverkauf von Grund und Boden rächen sich. Aber auch heute versagt die Widmungspolitik.

Dass trotz Lockdowns bis Anfang Februar und der Reisebeschränkungen in Tirol weiterhin sehr viele Fahrzeuge mit ausländischen Nummerntafeln gesichtet werden, hat vor allem einen Grund: Es gibt schließlich 16.200 Besitzer von legalen Freizeitwohnsitzen im Land. Dazu kommen noch rund 10.000 Appartements oder Anwesen, die widerrechtlich zu Ferienzwecken genützt werden. Die Sünden aus der Vergangenheit rächen sich, Corona macht sie einmal mehr sichtbar. Bis in die 1990er-Jahre haben viele Bürgermeister ihre schützenden Hände über die Freizeitwohnsitze gehalten. Was mit Widmungen nicht möglich war, wurde geduldet. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die klassischen Mietverträge auf 99 Jahre Laufzeit. Ungeachtet der schon damals strengen Bodengesetze ließen findige Umgehungskonstruktionen die Zahl der „kalten Betten“ in den Tourismusregionen explodieren. Mit dem EU-Beitritt musste Tirol das Grundverkehrsrecht aufweichen, heute ist es zahnlos. Allerdings wäre die Widmungspolitik der Dreh- und Angelpunkt, um Freizeitwohnsitze wirksam einzudämmen.
Doch zahlreiche Kommunen mit ihren Bürgermeistern und Gemeinderäten schauen erneut weg: Chaletdörfer, Investorenmodelle im Tourismus oder auf Campingplätzen treiben deshalb die Landespolitik mit ihrer gebetsmühlenartig formulierten Ansage für leistbares Wohnen seit Jahren vor sich her. Jetzt muss das Land aufs Neue nachhüpfen. Wohl wissend, dass der Schaden bereits angerichtet ist.
Der Druck auf Grund und Boden in Tirol hält an, mit Bauland lässt sich spekulieren. Auch mit Luxusvillen in den touristischen Gunstlagen. Oder mit Bauernhöfen, die ebenfalls ins Visier von kapitalstarken Inves­toren geraten sind. In den Ballungszentren werden bereits Tausende Wohnungen als Kapitalanlage erworben und über die Jahre vergoldet. Wie in der Inntalfurche mit der Landeshauptstadt Innsbruck.
Eine kommunale Widmungspolitik, die ausufernden Investorenmodellen und Wohnungsspekulation einen Riegel vorschiebt, bedarfsgerechte Baulandausweisungen, mehr Vorbehaltsflächen für den geforderten Wohnbau, konsequente Kontrollen und ein entschlossenes Vorgehen gegen die Vermietung von dauerhaftem Wohnraum als „Hotelzimmer“ auf Buchungsplattformen wie Airbnb könnten zumindest ein Maßnahmenbündel sein, das Wohnen für Tiroler Familien endlich wieder finanzierbar macht. Leider hat man das Gefühl, es passiert alles halbherzig. Im Land und in den Gemeinden.

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