Innsbruck (OTS) Vor den Landtagswahlen steigt der Druck auf die politischen Entscheidungsträger im Land. Tirols Züchter wollen ihre Schafe, Ziegen und Rinder nicht länger den Wölfen zum Fraß servieren. Jetzt rächt sich das lange Zaudern.

Das Dauerthema Wolf entwickelt sich zum Debakel für die Tiroler Politik. Seit Jahren ist klar, dass Handlungsbedar­f besteht. Anzeichen dafür, dass die Situation zu eskalieren droht, gab es genug. Angesichts der Zunahme der Wolfspopulation in Italien mussten die Verantwortlichen damit rechnen, dass die Räuber neue Reviere suchen und damit auch in Tirol Jagd auf Wild- und Nutztiere machen werden. Spätestens nach den ersten regelrechten Massakern unter Schafen stand außerdem fest, dass die anfangs zur Besänftigung der Tierhalter verwendete romantisierende Erzählung vom Wolf, der nur tötet, um zu überleben, nicht zu halten sein wird. Zahllose totgebissene oder in den Tod gehetzte Schafe belegen das genaue Gegenteil, nämlich dass die Räuber immer wieder in einen wahren Blutrausch verfallen. Auf diese Tatsachen machten Landwirte und Tierzüchter regelmäßig und mit Nachdruck aufmerksam – ohne Erfolg.
Jetzt werden im Unterland erste Almen nicht mehr bewirtschaftet, weil die Bauern ihre Tiere auf Bergweiden in anderen Regionen und/oder Bundesländern in Sicherheit bringen. Das ist mehr als ein Alarmzeichen und müsste auch jene aufschrecken, die immer noch von einer friktionslosen Wiederansiedelung der großen Beutegreifer träumen.
Vor den Landtagswahlen steigt damit der Druck auf die zaudernde Landespolitik, zwingt sie in die Wolfs-Falle. Prompt wird nun die Änderung des Tiroler Jagdgesetzes in Aussicht gestellt – ein Wahlkampf-Placebo, um die wütenden Züchter ruhigzustellen, mehr nicht. In Wahrheit hätte das nämlich längst passieren müssen, um gegen so genannte Problemwölfe vorgehen zu können. Kärnten hat mit seiner „Wolfsverordnun­g“ gezeigt, wie’s ginge. Auch das nunmehrige Drängen auf Rechtssicherheit durch eine Entscheidung auf EU-Ebene kommt reichlich spät. Für die Wahl zu spät: Wie berichtet, ist mit einer Entscheidung erst Ende 2023 zu rechnen.
Tirol hätte gemeinsam mit Verbündeten in den Nachbarländern schon viel früher von den Entscheidungsträgern in den nationalen Regierungen und in Brüssel die Überarbeitung der 30 Jahre alten FFH-Richtlinie fordern müssen. Die regelt den Schutzstatus des Wolfs, ist aber aus der Zeit gefallen, wie die Entwicklung vor allem in Italien beweist. Dort wird die Wolfspopulation inzwischen auf 3300 Tiere geschätzt. An die 1000 halten sich in den italienischen Alpen auf. Tendenz nach Angaben des Höheren Instituts für Umweltschutz und Forschung (ISPRA) in Rom stark steigend. Das legt den Schluss nahe, dass der Wolf nicht mehr gefährdet ist. Trotzdem steht er unter strengstem Schutz. Das muss geändert werden!

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