Innsbruck (OTS) Tirol versucht vorerst, mit möglichst kleinräumigen Maßnahmen auf sich abzeichnende Corona-Cluster zu reagieren. Das funktioniert nur, solange sich die Infektionslage nicht stärker auf die Situation in den Spitälern auswirkt.

Endlich. Das Robert-Koch-Institut änderte gestern den Status des Bundeslandes Tirol von Virusvarianten-Gebiet in Risikogebiet. Klingt nicht viel besser, ist es aber. Deutschland behandelt Tirol damit ab morgen Sonntag wie den Rest von Österreich. Die von vielen als Schikane bezeichnete Grenzblockade ist nach sechs Wochen Vergangenheit. Die Lockerung ist für die zahlreichen Grenzpendler eine enorme Erleichterung, für den Rest der Tiroler Bevölkerung ist sie weit weniger wirkungsvoll: Zwar ist ab Montag, 0 Uhr, die Einreise nach Deutschland bzw. Bayern wieder möglich, aber es gelten nach wie vor die harten Corona-Regeln, wie sie im Übrigen auch bei der Einreise nach Österreich bzw. Tirol gelten, also negativer Corona-Test und mindestens fünftägige Quarantäne.
Die Freude über das Ende der einseitig verordneten faktischen Grenzschließung dürfte in Tirol verhalten ausfallen. Nach Wochen der Stagnation auf für österreichische Verhältnisse niedrigem Niveau steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder. Auch Tirol steht vor „entscheidenden Wochen“, die Gesundheitsminister Rudolf Anschober seit Beginn der Krise verkündet. Zwar ist es allen Beteiligten mit einer großen Kraftanstrengung gelungen, die weitere Ausbreitung der Südafrika-Variante zu verhindern, dafür tritt jetzt die britische Variante immer stärker in Erscheinung. Die Sieben-Tage-Inzidenz hat sich innerhalb von zwei Wochen mehr als verdoppelt und liegt aktuell bei 214.
Damit stehen Landes- und Bundesregierung einmal mehr vor der Frage, mit welcher Strategie die sich anbahnende dritte Corona-Welle eingedämmt werden kann. Ein bundesweiter Lockdown steht vorerst bekanntlich nicht zur Diskussion – aus wirtschaftlichen Überlegungen, aber auch weil immer mehr Menschen nicht länger bereit sind, die damit verbundenen Einschränkungen zu akzeptieren. Es wird also wohl dabei bleiben, möglichst kleinräumig auf sich abzeichnende Infektionsherde zu reagieren. Harte Maßnahmen in betroffenen Gemeinden oder Regionen sollen die Basis für die ohnedies eingeschränkte Freiheit im Rest des Landes schaffen.
Dieser Lockdown-Fleckerlteppich ist aber nur so lange zu rechtfertigen, als sich die Infektionslage nicht auf die Zahl der Hospitalisierungen und die Belegung der Intensivbetten niederschlägt. Steigen dort die Zahlen, wird auch die Tiroler Landesregierung nicht um härtere Maßnahmen herumkommen.

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