Innsbruck (OTS) Viele Tiroler, die etwas gegen ihr Gewaltproblem unternehmen wollen, werden von den zuständigen Stellen abgewiesen. Weil Geld fehlt, mangelt es an Personal. Mehr Budget winkt nicht – weil das Potenzial der Prävention verkannt wird.

Sie verlieren die Kontrolle. Unzufriedenheit, Frustration, der Ärger über die eigenen Unzulänglichkeiten werden in immer neuen Wellen der Wut ertränkt. Die Ehegattin oder Partnerin zu schlagen ist keine Lösung. Viele Männer wissen das. Und tun es doch immer wieder. Nicht wenige davon wollen in Tirol etwas gegen ihr Problem im Umgang mit Gewalt unternehmen, müssen von den Stellen, die ihnen helfen könnten, aber abgewiesen werden. Es fehlt schlichtweg an Personal. Das Geld ist knapp, mehr derzeit nicht in Aussicht. Die Politik auf Bundes-wie Landesebene tut sich seit jeher schwer, ausreichend finanzielle Mittel für die Arbeit mit Tätern oder jenen, die es werden könnten, bereitzustellen – auch weil das Potenzial dieser Form der Prävention nach wie vor verkannt wird.
Zudem lässt sie sich nicht so gut präsentieren wie etwa groß angelegte Kampagnen mit markanten Parolen und weithin sichtbaren Plakaten. Bis die Betreuung von Menschen mit ausgeprägten Aggressionen fruchtet, dauert es – manchmal Jahre. Zwar für die Allgemeinheit kaum sichtbar, ist Männern zu helfen dennoch eine der langfristig wirksamsten Arten des Opferschutzes. Gerade jetzt, wo die Folgen der Pandemie – und all der Groll, den sie verursachen – immer mehr durchbrechen, ist es wichtig zu handeln.
Laut eigenen Schätzungen musste der Tiroler Verein Mannsbilder in jüngerer Vergangenheit rund 70 Klienten ziehen lassen. Es gab nicht genügend Mitarbeiter, die Zeit hatten, sich um sie zu kümmern. Die notgedrungen Abgewiesenen wurden sich selbst überlassen. Noch schlimmer: ihre Frauen und Freundinnen ihnen. Das könnte dramatische Szenen, schwere Verletzungen, auch bleibende psychische Schäden bedingt haben. Mit einer Summe, die angesichts der wohl verursachten Qualen lächerlich erscheint, hätte dem vorgebeugt werden können:
100.000 Euro bräuchte es, um das Angebot so weit auszubauen, dass der ganze Bedarf gedeckt ist, schätzt der Obmann des Vereins Mannsbilder.

Beim Gewaltschutz gibt es in Tirol wie bundesweit noch einiges zu tun. Das Netz an Anlaufpunkten und Unterbringungsplätzen für Betroffene wurde in den vergangenen Jahren zwar ausgebaut, gehört aber dennoch weiter und stetig an die aktuelle Situation angepasst. Polizei und Justiz müssen im Umgang mit Opfern besser geschult und sensibilisiert werden. Mit Sicherheit die nachhaltigste Investition wäre ein massiver Ausbau der Präventionsarbeit – sie behandelt die Ursachen, nicht erst die Symptome. Wenig Geld könnte hier viel bewirken. Eine Rechnung, die aufgehen wird.

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