Innsbruck (OTS) Seit der Finanzkrise ist der Vermögenszuwachs, wenn man ein Grundstück verkauft, so dermaßen gestiegen, dass das der Leistungsgesellschaft sauer aufstößt. Ein Grund mehr, alte Widmungen anzugreifen und Bauland zu bewegen.

In der letzten Legislaturperiode wächst normalerweise der Mut. In der Tiroler Landesregierung lässt sich das bis dato nicht erkennen. Bei den Umfragewerten und bei der gähnenden Leere auf der Nachfolgerbank ist wohl damit zu rechnen, dass Günther Platter noch einmal antritt und als Landeshauptmann in Verlängerung geht. In Platters Team finden sich aber Regierungsmitglieder, die sich leistbares Wohnen auf die Fahnen heften und wohl nicht mehr in der nächsten Landesregierung sitzen werden. Die könnten sich trauen. Und der Chef würde es überleben.
Eine Chance, etwas zu bewegen, ist, gehortetes Bauland zu mobilisieren. Dazu müsste man alte Widmungen angreifen und sich nicht nur um die Stellschräubchen bei neuen kümmern. Wer mehr als 15 Jahre auf gewidmetem Bauland sitzt und nicht baut, dessen Grundstück wird stufenweise rückgewidmet. Dadurch könnten Grundeigentümer auch nicht mehr bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten, bis der allerhöchste Grundstückspreis zu erzielen ist. Kommen mehr Grundstücke auf den Markt, darf man zumindest auf eine Stagnation der Preise hoffen.
Mut bräuchte es auch, um eine Vision zu entwickeln, wie wir es denn gerne in Tirol hätten. Wo macht es denn Sinn, dass wir wohnen, und wie? Wo wollen wir uns erholen und wie schaffen wir einen sinnvollen Ausgleich unter den Gemeinden? Wenn alle gegen Wohnanlagen zu mauern beginnen, wird es irgendwo eng und ebendort die Lebensqualität geringer. Und Naturraum muss seinen Stellenwert haben. Wenn immer die Gemeinde verliert, die kein Einkaufszentrum ansiedelt, und die andere profitiert, wird das Ausfransen der Gemeinden und das Verschwinden der Grünflächen weitergehen.
Die Tiroler Raumordnung trägt sehr stark den Stempel von Klientelpolitik. Das hat lange funktioniert. Jetzt birgt dieses Mantra ein Risiko. Denn wie will man es der leistungsorientierten Mittelschicht erklären, dass sich weder Ausbildung noch Job zur Vermögensbildung ausreichend eignen, aber ein Grundverkauf in Gunstlage den Verkäufer mitunter zum Millionär macht?
Es gab immer schon einen Unterschied zwischen jenen, die Grund hatten, und jenen, die eben keinen hatten. Seit der Finanzkrise ist jedoch der Vermögenszuwachs beim Grundverkauf so dermaßen gestiegen, dass es für Unmut sorgt. Nicht nur bei den üblichen Neidern, sondern auch bei der Mittelschicht.

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