Innsbruck (OTS) Ob bundesweit oder auch in Tirol: Die gerade in den letzten Kurz-Jahren so erfolgsverwöhnte und machtbewusste ÖVP schlingert durch eine schwere Krise. Und wird wohl da wie dort trotzdem am Ruder bleiben.

Als Sebastian Kurz 2017 die Volkspartei übernahm, dümpelte sie bundesweit hinter der damals in Umfragen führenden FPÖ und der SPÖ mit nur 20 Prozent auf Platz 3 – und auf einem historischen Tiefpunkt. Der schwarze und dann bald türkise „Messias“ führte die ÖVP zu einer wahren Serie an teils spektakulären Wahlsiegen auf Bundes- und Landesebene. Kurz nach der ersten Corona-Welle vor dem Sommer 2020 erreichte die Zustimmung ihren Höhepunkt. Es wurde sogar darüber spekuliert, ob Kurz mit der ÖVP bei vorgezogenen Neuwahlen nicht sogar wie einst Bruno Kreisky eine absolute Mehrheit erreichen könnte,
All das klingt heute für die VP-Funktionäre wie ein schöner Traum aus fernen Zeiten. Kurz wurde nach der Chat- und Umfragen-Affäre zum Rücktritt gezwungen, die Zustimmungswerte sind seit Langem im Sturzflug. Zuletzt lag man in Umfragen wieder bei nur 20 Prozent – weit hinter der SPÖ (über der nun das Damoklesschwert Wien Energie schwebt) und auch knapp hinter der FPÖ.
Die Koalition aus Türkis und Grün kommt momentan laut Umfragen nicht einmal auf 30 Prozent Rückhalt bei den Wählerinnen und Wählern. Und obwohl sich derzeit wohl ziemlich sicher eine rot-grün-pinke Mehrheit jenseits von ÖVP und FPÖ ausginge, dürfte die Koalition vorerst wohl noch weitermachen. Aus ÖVP-Sicht gibt es angesichts der sonst drohenden Wahlschlappe ohnehin keinen Anreiz. Und auch die Grünen dürften statt weniger Einfluss in einer kompliziert zu steuernden Dreier-Variante mit SPÖ und NEOS die Fortführung der Ehe mit der ÖVP bevorzugen. Weil man mit den schwächelnden Türkisen anders als zu Beginn mit Kurz jetzt fast schon Oberwasser hat.
Wohl mit großen Sorgenfalten blicken nicht nur die hiesigen Parteifunktionäre, sondern auch die ÖVP-Bundesstrategen der bevorstehenden Landtagswahl in Tirol entgegen. Laut der neuen Gallup-Umfrage für die TT droht im schwarzen Kernland ein Absturz. Je nach Ausmaß der Verluste ist auch ein Bundes-Nachbeben nicht ausgeschlossen. Denn wie die Landes-ÖVP beim letzten Mal noch durch Kurz stark profitiert hat, bläst jetzt (neben den Krisen wie Corona und Teuerun­g) viel Gegenwind aus Wien.
Der von Günther Platter mit wenigen Vertrauten quasi über Nacht aus dem Hut gezauberte neue ÖVP-Chef Anton Mattle hat, und das ohne Landeshauptmann-Bonus und mit wenig Zeit, eine extrem schwierige Mission übernommen. Für die ÖVP geht es bis 25. September schlicht um das Verhindern eines Debakels, für Mattle um sein politisches Schicksal. Neu gemischt werden dann auch die Koalitions-Karten. Ob mit Dreie­r- oder doch noch mit einer Zweier-Variante: Die ÖVP wird darin länger mit sich selbst beschäftigt sein.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com



Quelle

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at

(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender.