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Innsbruck (OTS) Österreichs Sommersport fehlte es jahrelang an Geld und den dafür Verantwortlichen an Geduld. Ohne die aktuellen Erfolge schmälern zu wollen: Diese Tokio-Medaillen sind passiert, aber nicht das Ergebnis systematischer Aufbauarbeit.

So wie seit gestern, seit dem Gewinn der vierten österreichischen Olympiamedaille, nicht alles gut ist im heimischen Sport, so war vor neun Jahren nicht alles schlecht. Damals in London, als Rot-Weiß-Rot ohne Medaille geblieben war, hatte Sportminister Norbert Darabos von „Olympia-Touristen“ gesprochen und jene brüskiert, die sich mehr abholen wollten als nur einen Aktiv-Urlaub samt Gratis-Einkleidung. Österreichs Sport lernte zeitversetzt hinzu, mit der Abkehr vom Gießkannen-Prinzip war der erste Schritt erfolgt. Denn so lobenswert es war, jedes Pflänzchen im heimischen Sport-Biotop mit Subventionen zu pflegen – es führte selten zum Erfolg. Es hat einen Grund, warum Kenia bevorzugt in seine Läufer investiert und nicht in den alpinen Skirennsport. Weil es an Infrastruktur, Tradition und natürlich an Geld fehlt, um all diese Mängel zu kompensieren.
Deshalb darf das 2013 vom Sportministerium aus der Taufe gehobene Projekt Rio 2016, eine Sonderförderung für den österreichischen Sommersport (20 Mio. Euro) für den Zeitraum von vier Jahren, als Startschuss erachtet werden. Der mittlerweile nicht mehr amtierende ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wurde als Koordinator auserkoren, denn sein Wort hatte Gewicht, sein Durchsetzungsvermögen war bei strittigen Fragen der Mittelzuteilung von Bedeutung. Dass der damals 71-Jährige mit Sommersport bis auf ein paar Jugenderinnerungen wenig am Hut hatte, tat angesichts dieser Qualitäten nichts zur Sache. Doch schon damals wurde der zweite Fehler begangen: Geduld fehlte. Gegenbeispiel: Großbritannien besann sich nach den Sommerspielen 1996 (Platz 36 im Medaillenspiegel) und gab sich drei Olympiaden, also zwölf Jahre. Bei den Heim-Sommerspielen 2012 in London tauchten die Engländer mit 29 Goldenen plötzlich auf Platz 3 der Nationenwertung auf.
Es bedarf keiner sportwissenschaftlichen Erhebung, um die Erfolgsaussicht eines vierjährigen Aufbauprogramms als unzureichend einzuschätzen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich jemals einen 100-Meter-Olympiasieger hervorbringt, liegt sogar noch unter jener, dass Kenia jemals einen Abfahrts-Olympiasieger stellt. Österreichs Sportpolitik sollte das Tokio-Ergebnis mit Vorbehalt registrieren und eine Überraschungsmedaille wie Gold im Damen-Radrennen nicht als Synonym für den Aufschwung werten. Die Konzentration muss der Zukunft gelten: Der Zug nach Paris 2024 ist längst abgefahren – so kurzfristig lassen sich keine Weichen stellen. Aber es ist höchste Zeit, sich über Olympia 2028 in Los Angeles und 2032 in Brisbane Gedanken zu machen.

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