Innsbruck (OTS) Wer den Flüchtlingsstrom aus den zentralafrikanischen Staaten unterbinden will, muss dort ansetzen, wo das Problem entsteht: in den Herkunftsländern. Darüber wird in der EU aber seit Jahren lediglich geredet.

Auf den afrikanischen Landrouten zum Mittelmeer sterben mittlermeile weit mehr Menschen, die auf der Flucht sind und ihr Heil in Europa suchen wollen, als auf der gefährlichen Überfahrt von der Küste Nordafrikas nach Italien oder Spanien. Exakte Zahlen liegen keine vor. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sollen von 2014 bis Ende Oktober 2019 mehr als 19.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken sein, 4463 weitere Todesopfer seien in Nordafrika registriert worden – allerdings sprechen sowohl UNHCR als auch IOM von einer hohen Dunkelziffer. Vincent Cochetel, Sondergesandter des UN-Flüchtlingshilfswerks, geht sogar davon aus, dass mindestens doppelt so viele Flüchtlinge auf dem beschwerlichen Weg zur Küste tödlich verunglücken, verhungern, verdursten, einer Krankheit zum Opfer fallen oder an den Folgen einer Gewalttat sterben.
Die Warnungen der Experten belegen einmal mehr die Ausmaße des Problems. Die Europäische Union, nach wie vor das Hauptziel der Millionen an Flüchtlingen, reagiert darauf in erster Linie mit der Verstärkung des Außengrenzschutzes. Das ist zwar wichtig und richtig, verhindert aber nicht, dass sich trotzdem immer wieder Menschen auf den Weg machen. Wer das nachhaltig stoppen will, muss dort ansetzen, wo das Problem entsteht: in den Herkunftsländern. Solange die Menschen dort keine Perspektive sehen und gleichzeitig das Bild von Europa vor Augen haben, wo ihrer Ansicht nach Milch und Honig fließen, wird die Massenflucht anhalten.
Eine der vordringlichsten Aufgaben der neuen EU-Kommission unter Ursula von der Leyen wird also die Unterstützung der am meisten betroffenen zentralafrikanischen Staaten sein. Es geht nicht nur darum, den Menschen ausreichend Nahrung und Wasser zur Verfügung zu stellen beziehungsweise sie in die Lage zu versetzen, sich selber damit zu versorgen. Sie benötigen auch Arbeitsplätze und vor allem den Zugang zu Bildung.
Über ein derartiges Afrika-Paket reden die EU-Mitgliedsstaaten seit Jahren. Nur: Sie reden zwar immer davon, tun aber nichts. Statt sich endlich intensiv mit der Ursache des Problems zu beschäftigen, bekämpft Europa lediglich dessen Auswirkungen. Schiffe mit Flüchtlingen werden im Kreis geschickt, weil nur wenige Länder bereit sind, Migranten aufzunehmen und ihnen zumindest ein faires, rechtsstaatliche Normen erfüllendes Asylverfahren zu bieten. Was für ein unwürdiges Schauspiel.

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