Innsbruck (OTS) Leistbares Wohnen hängt vorwiegend an den Bodenpreisen, die in den vergangenen Jahren in Tirol explodiert sind. Eine verpflichtende Vertragsraumordnung, um Bauland günstiger zu machen, wäre ein richtiger, wichtiger und mutiger Schritt.

Die Analyse des Immobilienpreisspiegels ist einmal mehr ernüchternd: Insgesamt finden sich laut dem Immobilienportal „immowelt“ unter den zehn teuersten Bezirken Österreichs vier aus Tirol. Für das hohe Preisniveau werden vor allem die vielen exklusiven Ferienwohnungen in den touris­tisch geprägten Regionen verantwortlich gemacht. Durchschnittlich müssen in Tirol 4000 Euro pro Quadratmeter für eine Wohnung hingeblättert werden, in Innsbruck sind es bereits 7000 Euro. Dazu kommen noch hohe Mietkosten – im Schnitt 15 Euro/m2.
Leistbares Wohnen ist deshalb nicht nur der Wunsch vieler (Jung-)Familien, von Singles oder Studierenden, sondern es gilt als so genannte „Never-ending“-Forderung der politischen Parteien. Wobei sich hier vor den Landtagswahlen selbst die seit zehn Jahren regierende schwarz-grüne Landeskoalition anhängt. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Schließlich brennen die explodierenden Wohnkosten den Menschen unter den Fingernägeln und die Regierung war in den vergangenen Jahren offensichtlich zu zaghaft.
Die Tiroler Wohnbauförderung mit jährlich rund 320 Millionen Euro an Darlehen ist finanziell sehr gut aufgestellt, aber es sind die Rahmenbedingungen, die leistbares Wohnen bremsen. Wegen großzügiger Widmungen und Bebauungspläne hat beispielsweise Innsbruck über Jahre die Spekulation mit Wohnraum gefördert und Anlegerwohnungen forciert. So können Immobilieninvestoren nach wie vor viel Betongold in der Landeshauptstadt schürfen.
Mit einer verpflichtenden Vertragsraumordnung will das Land jetzt bei den Bodenpreisen gegensteuern. Bei Baulandwidmungen müssen 50 Prozent für den sozialen Wohnbau reserviert werden oder die Gemeinde sichert sich Vorkaufsrechte von Grundstücken zu Wohnbauförderungsrichtlinien. Die Verpflichtung wird notwendig, zumal noch zu viele Gemeinden davor zurückscheuen, diesen wohnungspolitischen Steuerungshebel anzusetzen. Geschweige denn Vorbehaltsflächen für den sozialen Wohnbau auszuweisen. ÖVP-Chef Toni Mattle wäre lokal besonders bei seinen ParteifreundInnen in der Landeshauptstadt gefordert, die das seit Jahren blockieren.
Andererseits müssten die 3400 Hektar Baulandreserven in Tirol endlich abgebaut und für den Wohnbau mobilisiert werden. Rückwidmungen sind nicht sinnvoll, allerdings könnte ein Teil davon für geförderte Wohnungen vorgesehen werden, wie es die Liste Fritz vorschlägt. Die von Raumordnungs-LR Hannes Tratter (VP) angekündigte verpflichtende Vertragsraumordnung ist beherzt, sie tatsächlich umzusetzen, wäre mutig und ein politischer Meilenstein.

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