Innsbruck (OTS) Kein Bundesland ist wirtschaftlich enger mit dem Sport verknüpft als Tirol. Dennoch ist die Abhängigkeit der Vereine von der öffentlichen Hand überproportional. Lückenhafte Infrastruktur und Kostenexplosionen bereiten Kopfschmerzen.

Was Sport nicht alles ist: Leistung. Wettkampf. Miteinander. Gesundheitsvorsorge. Lebensschule. Emotion. Integration. Gewaltprävention. Wirtschaftsfaktor. Tourismusmotor. Arbeitsplatzgarant. Nicht ohne Stolz präsentierte das Sportministerium diesen Sommer eine Studie (aus dem Jahre 2019), welche Österreich als Europameister auswies. In keinem anderen EU-Land sei die sportive Wertschöpfung (6,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts/BIP) höher als hierzulande. In Tirol sind es gar 21 Prozent. Heißt so viel, dass durch die Vernetzung mit der Sportartikelproduktion, dem Sporttourismus, dem Sportartikelhandel, der Bauwirtschaft etc. jeder fünfte Euro mittel- oder unmittelbar durch den Sport erwirtschaftet wird.
Da mag es erstaunen, dass aus dem Gesamtbudget des Landes 2022, immerhin 4,5 Milliarden, gerade einmal 13 Millionen dem organisierten Verbands- und Vereinssport zweckgewidmet sind. Das sind knapp 0,3 Prozent. Auch eine Art von politischem Bekenntnis.
Dass jedes vierte Volksschulkind übergewichtig ist, ein ordentlicher „Purzigagl“ für viele einer „Mission impossible“ gleicht und digitale Welten hiesige Realitäten verdrängen, ist kein Tiroler Spezifikum. Sehr wohl aber infrastrukturelle Versäumnisse. Die Klage über fehlende Wasserflächen hallt seit Jahrzehnten durchs Land, die Polit-Posse ums Wörgler Wave oder die nicht abebbenden Ränkespiele um ein 50-m-Hallenbad seien nur beispielgebend erwähnt. Auch die weniger bzw. immer älter werdenden Tennishallen dürfen als Alarmsignal verstanden werden. So wie das stete Ringen der Vereins- und Verbandsverantwortlichen um entsprechende Hallenzeiten. So wie die immer schwieriger durchzuführenden Veranstaltungen. So wie der unbefriedigende Zustand, dass insbesondere die Spitzenvereine vornehmlich am Tropf der öffentlichen Hand hängen. Und wenn die steigenden Energie-Preise jedem Klub-Obmann nur noch einen kalten Schauer über den ehrenamtlichen Rücken jagen, dann ist die Politik mehr denn je unter Zugzwang.
Keine Frage: Es tut sich auch etwas. Schulsportservice, Schulschwimminitiative, Beweg-dich-Tour sind wertvolle Bausteine für ein sportlicheres Tirol. Doch was nützen alle Initiativen, wenn wie in Corona-Zeiten als Erstes die Turnstunden aus dem ­Lehrplan purzelten. Wenn wöchentlich mehrfach getestete Schüler nur mit FFP2-Maske turnen durften. Oder wenn in Ferienzeiten Schulturnsäle partout geschlossen blieben. Dann war der Griff zur Spielkonsole beinahe eine logische Folge. Gejubelt wurde trotzdem. Virtuell halt.

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