Innsbruck (OTS) Marktmechanismen lassen sich mit Herkunftsbezeichnungen nicht außer Kraft setzen. Doch im Wettbewerb wären sie ein starkes Signal für Regionalität und für ein nachhaltiges Umdenken. Auch für das Klima und die heimischen Bauern.

Wer Regionalität ernst nimmt, muss sie unbeirrt und konsequent umsetzen. Sicher nicht missionarisch oder engstirnig, weil nicht alles, was auf den Teller kommt, in Tirol bzw. Österreich produziert werden kann. Die eingefahrene Denkweise beim schon seit Jahren andauernden politischen Streit um die Herkunftsbezeichnung muss jedoch endlich geändert werden. Eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung für Lebensmittel ist nämlich kein Strafzettel, vielmehr eine kulinarisch-geografische 1-G-Regel: der so genannte Genuss-Pass. Wenn das Schnitzel vom ober-
österreichischen Strohschwein stammt, soll es so gekennzeichnet werden. Dasselbe gilt für das Steak aus Argentinien. Ohne schalen Beigeschmack.
Warum tut sich die Wirtschaftskammer als Vertreterin der Gastronomie und Hotellerie damit so schwer? Weil sie Wettbewerbsnachteile befürchtet? Doch das wäre ein Widerspruch in sich selbst. Hunderte Wirte haben ihre Speisekarte bereits freiwillig angepasst und kommen so dem Wunsch vieler Gäste nach. Aber australisches Rindfleisch in einem Bergrestaurant in Tirol muss derzeit nicht als solches gekennzeichnet werden. Unabhängig vom Gusto, weil Geschmäcker ja bekanntlich verschieden sind: Australia in einer heimischen Bratpfanne auf der Alm passt irgendwie nicht zur Bergidylle und damit weder zum alten noch zum neuen Weg im Tiroler Tourismus. Regionalität, Wertschätzung gegenüber den heimischen Bauern mit fairen Preisen für ihre Produkte und eine angemessene Abgeltung ihrer Arbeit für den Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft sind das eine. Hinter Regionalität steckt freilich ein notwendiger Gesinnungswandel, der einen Mehrwert sowohl für die regionale Wertschöpfung als auch für den Klimaschutz ergibt. Schließlich versalzt einem der ökologische Fußabdruck von australischem Fleisch gehörig die Klimabilanz. Für eine in der „All in“-Mentalität aufgewachsene Generation ist der Verzicht jedoch schwer verdaulich.
Deshalb darf die Blauäugigkeit nicht zum Maßstab werden. Österreich exportiert ebenfalls Lebensmittel, internationale Handelsabkommen bieten immerhin Produkt- und Geschmacksvielfalt. Wiewohl man sich stets die Frage stellen muss, zu welchem Preis; wenn der Regenwald abgeholzt und Landarbeiter ausgebeutet werden. Und sich hinter australischem Fleisch eine industrielle Landwirtschaft verbirgt.
Die Marktmechanismen lassen sich nicht außer Kraft setzen, die Herkunftsbezeichnung könnte hingegen ein Markenzeichen sein. Ein Geschmacksverstärker oder unbürokratisches Zeichen für Austria statt Australia in Tirol.

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