Ausgabe vom 14. November 2016

Innsbruck (OTS) Das noch vor einem Jahr als Wunderteam phantasierte Fußball-Nationalteam Österreichs ist nicht nur in der Weltrangliste auf Platz 30 durchgereicht worden. In der Beliebtheitsskala droht auch Teamchef Koller ein Absturz.

Es war der 12. Oktober 2015. Die FIFA-Weltrangliste hatte da Österreich als zehntbestes Fußballteam der Welt ausgewiesen. Ein historischer Höchststand, ein Ruhmesblatt. Und wie alle im erfolgreichen ÖFB versicherten – zugleich auch ein Animo, der absoluten Weltelite den Kampf anzusagen. Es war dann der 23. Juni 2016, als die ÖFB-Teamkicker die Koffer packen, sich die Hoffnung auf eine Zusatzprämie für den nicht für unmöglich gehaltenen EM-Titel in die Haare schmieren und die Heimreise antreten mussten. Österreich hatte sich zuvor in der erfolgreichen EM-Qualifikation den Kleinmut ausgetrieben. Kleinmütig Fehler einzugestehen, war kein Thema. Aber der Hochmut ist keine Alternative. Teamchef Koller fand nicht seine kuriose Taktik gegen Island fragwürdig, sondern die Kritik daran. Die zwischenzeitlich zu Wunderteam-Kickern hochgelobten Koller-Schützlinge hatten noch in der Blase ihrer Idealisierung gelebt. Wer kritisierte, war im besten Fall Störenfried, im schlechtesten Nestbeschmutzer.
Das ÖFB-Team hat den EURO-Flop nicht aufgearbeitet, sondern verdrängt. Und irgendwann beginnt das Verdrängte zu rumoren. Die rotweißrote Fußballwelt mit dem Besen der Enttäuschung auszukehren, wäre aber noch verfrüht. Die Chance auf eine erfolgreiche WM-Qualifikation lebt. Wie die auf eine kollektive Genesung des maroden ÖFB. Der braucht Arznei. Eine sukzessive gesteigerte Dosis an Selbstkritik könnte helfen.
Präsident Windtner wird einfordern müssen, was er dem Trainer mit dem höchstdotierten Vertrag in der Verbandsgeschichte vorgeschossen hat. Und Koller? Einer, der so viel am Erfolg des Teams partizipiert hat, muss dies auch am krisenhaften Jetzt-Zustand tun. Der zwischenzeitlich zu einem Zaubercoach Hochgelobte hat erstmals in seiner fünfjährige Amtszeit in Österreich Erklärungsnotstand: Ist die Treue zu seiner Stammelf gar mangelnde Flexibilität? Ist die intensive Pflege einer Grundsatz-Philosophie Mangel an strategischen Alternativen? Ist das Festhalten an Kevin Wimmer auf der ihm ungewohnten linken Außenverteidigerposition praktizierter Justament-Zustand? Oder Eingeständnis, dass nicht vorgesorgt worden war? Und kann ein Teamchef mit taktischer Verve nicht verhindern, dass einer wie der beim FC Bayern zur Weltgeltung gekommene David Alaba im Team seit vielen Spielen nur noch Mittelmaß abliefert? Das Gute an diesen Fragen: Die nächste Qualifikations-Partie geht erst 2017 in Szene.

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