Innsbruck, Wien (OTS) Die 24-Stunden-Betreuung mit Frauen aus Osteuropa basiert auf viel Einsatz und dem Wohlstandsgefälle. Das Coronavirus gefährdet das wackelige System. Und die Behördenlogik kann damit nicht umgehen.

Ein Leser der TT bringt das Dilemma seiner 24-Stunden-Betreuerinnen aus der Slowakei auf den Punkt. Eine – nennen wie sie „Anna“ – ist seit neun Wochen in Tirol. Der zweiwöchige Wechsel mit „Viktoria“ scheitert an den Pandemie-bedingten Grenz- und Quarantäne­bestimmungen. „Viktoria“ ist seither ohne Einkommen. Geld vom österreichischen Härtefallfonds kann sie mangels einer österreichischen Steuernummer und eines österreichischen Kontos nicht beantragen.
In den Erfahrungen des Lesers spiegelt sich die Problematik der 24-Stunden-Betreuerinnen. Wir hier in den reichen Ländern Europas nutzen aus, dass es ärmere Länder gibt. Waren es zuerst Tschechinnen und Ungarinnen, die gekommen sind, um mit viel Einsatz und Gefühl bettlägrige, alte und betreuungsbedürftige Menschen zu versorgen, sind es heute Rumäninnen, Bulgarinnen und Slowakinnen.
Und solange andere Regionen Europas und der Welt wirtschaftlich nachhinken, wird das Modell weiterlaufen. Alternativen – wenn sie überhaupt zu organisieren wären – wären jedenfalls teurer.
Die Pandemie macht aber die Grenzen dieses Systems sichtbar. Es ist wie bei Medikamenten, Masken und Erntehelfern: Wo wir von anderen Ländern und Regionen abhängig sind, werden wir verletzlich. Das Virus bedroht die Versorgungswege. So ist die Rückreise in die Heimat der Betreuerin das eine. Oft droht dort zusätzlich aber mehrtägige Quarantäne.
Dazu kommen Bürokratie und eine Behördenlogik, die schon in normalen Zeiten Lösungen erschweren. Es ist verständlich, dass sich nach Ischgl niemand im Land dem Vorwurf aussetzen will, leichtfertig mit dem Virus umzugehen. Dennoch spricht es Bände, wie viele Stellen befasst sein müssen, um eine Zugverbindung von Rumänien über Ungarn nach Österreich aufzubauen – in der EU, nicht zu irgendwelchen Drittstaaten! Aber offenbar ist ja nicht einmal in Österreich sichergestellt, dass der Corona-Test aus Niederösterreich auch in Tirol anerkannt wird.
Betroffen sind Tausende Frauen aus osteuropäischen Ländern, an die wir die Betreuung ausgelagert haben. Betroffen sind daher auch Tausende Familien und Menschen, die von diesen Frauen versorgt werden. Im Interesse aller muss gelten: Wenn das Ärgste überwunden ist, bedarf auch die 24-Stunden-Betreuung einer umfassenden Betrachtung. Vielleicht schaffen wir es, das Modell nachhaltig weiterzuentwickeln. Profitieren würden alle – die Tausenden Frauen und die Tausenden Familien.

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