Innsbruck, Wien (OTS) Die Empfehlungen der Amazonas-Synode für die Zulassung „bewährter Männer“ zum Priesteramt können am Beginn einer weitreichenden Entwicklung stehen. Die Probleme der Kirche in der säkularen Gesellschaft lösen sie nicht.

Bewusst vorsichtig.“ So umschreibt die in Peru lebende deutsche Ordensfrau Birgit Weiler, was die Amazonas-Synode der römisch-katholischen Kirche zum Frauendiakonat beschlossen hat. Weiler hat an der Synode teilgenommen und begründet die Vorsicht damit, dass die Passage es anders gar nicht in das Schlussdokument geschafft hätte. Geblieben ist der Hinweis, dass die Zulassung von Frauen zum Diakonat von vielen Teilnehmern gefordert worden sei und dass eine vom Papst 2016 eingesetzte Kommission ihre Arbeit fortsetzen soll.
In der Abstimmung über diesen Artikel reichte es dennoch nur für das zweitschlechteste Ergebnis aller 120 Artikel. Noch knapper war nur die Abstimmung über die Priesterweihe „bewährter Männer“, auch wenn diese verheiratet sind. 128 Stimmen im Sinne der „viri probati“ standen 41 Ablehnungen gegenüber – und dies, obwohl der Text den Zölibat unterstreicht und die Ausnahme auf das Amazonasgebiet beschränkt, wie der Wiener Kardinal Christoph Schönborn betont.
Es liegt nun am Papst, was er aus den Empfehlungen der Synode macht, verbindlich sind sie nicht. Franziskus will aber in den nächsten Monaten ein Dokument mit Schlussfolgerungen vorlegen.
Dann wird sich zeigen, ob die Hoffnungen der Reformer gerechtfertigt sind, die einen Dominoeffekt erwarten. Noch kann davon keine Rede sein. Zwar hält die Synode fest, dass einige Teilnehmer die Weihe von „viri probati“ als Antwort auf den Priestermangel für die ganze Welt­kirche diskutieren wollten. Mehr aber auch nicht. Dabei lässt sich nur schwer erklären, warum in Europa verboten bleibt, was die Kirche in Südamerika zulässt.
Die Probleme, mit denen die katholische Kirche hierzulande konfrontiert ist, wären aber auch mit der Weihe verheirateter Männer nicht beseitigt. Zwar hat die Kirche zu wenige Priester. Sie hat vor allem aber zu wenige Gläubige, wie Schönborn zutreffend feststellt. Er weiß aus eigener Erfahrung als Erzbischof von Wien, wie es ist, wenn die Katholiken ihre gesellschaftliche Deutungshoheit verlieren und zunehmend in die Position einer Minderheit gedrängt werden. Solange die Kirche „bewusst vorsichtig“ bleibt, wird sie diesen Trend nicht stoppen können. Attraktiv bleibt (oder wird) sie in einer zunehmend verweltlichten, säkularen Gesellschaft nur dann, wenn sie klare Aussagen trifft. Auch der Jesus des Neuen Testaments war kein Freund des Kompromisses.

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