Innsbruck (OTS) All jene, die dank Heinz-Christian Strache den politischen Aufstieg geschafft haben, geben nun bei den Freiheitlichen den Ton an. Über das Kalkül und das Risiko der Kameraden und Heuchler in der Saubermannpartei.

Vor einem Jahr, am zehnten Todestag von Jörg Haider, befand sich Heinz-Christian Strache auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er hat die FPÖ in eine rechtskonservative Koalition geführt, wurde fortan als Vizekanzler angesprochen, unter ihm wurde der Rechtspopulismus in Europa zum Mainstream.
Ein Blick zurück. Haider gründete das BZÖ und spaltete die FPÖ. Die meisten Experten glaubten damals, dass das Dritte Lager orange eingefärbt wird und die FPÖ von der Bildfläche verschwindet. Es kam anders. Vor einem Jahr rückte Andreas Mölzer, der Chefideologe der Freiheitlichen, aus, um den Unterschied zwischen Strache und Haider auf seine pointierte Weise auf den Punkt zu bringen. „Letzten Endes ist Haider an sich selbst gescheitert. Mit Strache hat die FPÖ an ihrer Spitze einen guten Kameraden bekommen. Haider war ein politischer Abenteurer, Strache ist ein ,grader Michl‘.“
Heute wollen alle jene in der FPÖ, die im Schatten Straches den Aufstieg geschafft haben, mit dem „guten Kameraden“ nichts mehr zu tun haben. Nicht mit ihm, nichts mit seiner Frau Philippa.
Das Verhalten der Freiheitlichen ist alles in allem heuchlerisch. Nach Bekanntwerden von Straches unsäglichem Auftritt in der Villa auf Ibiza, dort, wo er sich also anschickte, die halbe Republik zu verscherbeln, da wollte man ihn – aus wahltaktischen Gründen – nicht aus der Partei ausschließen. Norbert Hofer mimte den Nachsichtigen. Zu groß war die Angst vor den Wählern. Dann, Tage nach Ibiza, bekam Straches Ehefrau einen sicheren Listenplatz. Als Tauschgeschäft, damit ihr Mann auf das EU-Mandat verzichtet?
Sehr gut möglich. Doch der Ärger mit den Straches wollte nicht verschwinden. Nach der Casinos-Causa platzte die FPÖ-Spesenaffäre. Die Straches sollen sich reichlich bedient haben, um ihr üppiges Alltagsleben zu finanzieren. Die Verantwortlichen bissen die Zähne zusammen. Irgendwie den Wahltag überstehen. Noch mit der harten Landung bei 16 Prozent war klar, dass die Straches in der Partei, in der „Ehre“ immer so hochgehalten wird, keine mehr haben sollen. Mit einem Trick wollte man seiner Ehefrau das Mandat wegnehmen. Da dies nicht gelang, muss sie nun draußen vor der Klubtür bleiben.
Die FPÖ, eine Saubermannpartei!? So sieht sie sich gerne. Stimmt schon: Strache ist – wie Haider – an sich selbst gescheitert. Doch er weiß, wo seine Kameraden den Dreck unter den Teppich gekehrt haben. Ein gefährliches Wissen.

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