Innsbruck (OTS) In der Corona-Krise haben die EU und auch viele Mitgliedsländer in Sachen Impfstoffbeschaffung offensichtlich versagt. Nun will Brüssel aufs Tempo drücken. Doch die neue Initiative kommt reichlich spät.

Gestern präsentierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen neuen Aktionsplan, um vor allem gegen die ansteckenderen Mutationen des Coronavirus gerüstet zu sein. Sie will beim Impfen nun aufs Tempo drücken.
Rund ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie hat Brüssel nun offensichtlich den Ernst der Lage erkannt. Doch das Aufbäumen kommt spät, sehr spät. Viel Zeit wurde verschlafen. Nun, nach Monaten der Angst, des kompletten Herunterfahrens des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens, der fortlaufenden Einschränkung der Grundrechte und angesichts einer noch lange nicht ausgestandenen Krise, welche die Grundfesten Europas zu erschüttern droht, muss die Frage erlaubt sein, warum die EU-Kommission und im Schatten Brüssels auch die einzelnen EU-Länder bei der Impfstoffbeschaffung schlicht und einfach versagt haben. Nur Impfstoffe können der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg ein Ende bereiten – das wird uns von allen Seiten immer wieder gepredigt. Doch die Zahlen für Europa in Sachen Impfquote sind erschreckend. Während bereits die Hälfte der über 30-jährigen Israelis mit einer ersten Dosis geimpft wurde, in Großbritannien bereits jeder vierte Erwachsene an die Reihe kam und selbst in den USA schon zehn Prozent der Bevölkerung eine erste Impfung erhielten, hinken die europäischen Länder gewaltig hinterher. In Deutschland wurden bisher erst rund drei Prozent der Bevölkerung zum ersten Mal geimpft, in Österreich ist die Zahl noch niedriger. Während in den USA sogar in den Supermärkten das in Deutschland entwickelte Vakzin von BioNTech verabreicht wird, fehlt es in Deutschland und den restlichen EU-Ländern an allen Ecken und Enden. Und das alles, obwohl Europa zuletzt nie vergaß, sich selbst in höchsten Tönen zu loben und andere lautstark zu kritisieren. Seltsam nur, dass die USA noch unter dem (zu Recht) viel gescholtenen Präsidenten Donald Trump es bereits im Sommer – und damit viel früher als die EU – geschafft haben, Impfstoffe bei verschiedenen Herstellern zu bestellen und auch bei der Produktion und Verteilung kräftig mitzuhelfen. Dass Europa erst vor Kurzem dämmerte, dass Impfstoffe nicht nur bestellt, sondern auch hergestellt werden müssen, bleibt ein Rätsel. Der große Tanker EU war offensichtlich nicht in der Lage, auf eine Krise einigermaßen schnell zu reagieren. Das muss Konsequenzen haben. Denn das Prinzip „Weiterwursteln“ kann nicht die einzige Alternative sein.

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