Innsbruck (OTS) Bei Swarovski steht vor dem heutigen Lostag vieles, wenn nicht alles auf dem Spiel. Tirols größter Industriekonzern muss massiv reformieren, aber es darf kein Rütteln am Standort Wattens als Herz und Hirn des Konzerns geben.

Die heutige Gesellschafter-Versammlung bei Swarovski (die weitverzweigte Familie hat über 200 Mitglieder und etwa 75 stimmberechtigte Eigentümer) wird wohl extrem turbulent werden. Dafür sorgen der massive Stellenabbau, der Umbau der Strukturen, die geplante Umwandlung in eine Aktiengesellschaft samt möglichem Börsengang bis hin zu den Befürchtungen, dass die Zentrale in die Schweiz verlagert und dann ein weiterer Kahlschlag in Wattens erfolgen wird. Nicht nur die Belegschaft übt heftige Kritik, sondern auch die Politik und ein wohl nicht so kleiner Teil der Familie, die mit diesem Kurs, der in vielem auch einen Bruch zur gelebten Tradition darstellt, nicht mitkönnen und nicht mitwollen. Ein Streit in aller Öffentlichkeit, wie es ihn im oft verschwiegenen Konzern so noch nie gegeben hat.
Der böhmische Einwanderer Daniel Swarovski hatte1895 mit der ersten Maschine zur industriellen Fertigung von Glasschmucksteinen den Grundstein zum späteren Kristallkonzern mit Weltruf gelegt. Daniel Swarovski II. als prägendste Führungspersönlichkeit der Enkelgeneration baute ein großes freiwilliges Sozialwesen etwa mit einem umfangreichen Siedlungsprogramm mit Werkswohnungen für die Arbeiter des Unternehmens auf. Wie in kaum einem anderen Unternehmen verstanden sich die Mitarbeiter sehr lange quasi auch stets als Teil „ihres“ Unternehmens und fast als Familienmitglieder. Und das Unternehmen zeigte sich trotz globaler Ausrichtung (über 30.000 Beschäftigte in aller Welt) stets mit Tirol eng verbunden.
Der Konzern, der hierzulande stets als Vorbild galt, musste auch schon in der Vergangenheit schwere Krisen meistern, etwa in den 1970er-Jahren oder dann später bei der großen Zale-Pleite in den USA. Seit Jahren macht extreme Billigkonkurrenz vor allem bei Kristallkomponenten Swarovski schwer zu schaffen. Die Corona-Krise mit Nachfrage-Einbrüchen und lange geschlossenen Shops brachte Swarovski nun in massive Probleme.
Unbestritten ist: Der Konzern muss seine Strukturen kräftig umbauen und auch sparen, wenn er sich nicht in Existenz­gefahr bringen will. Und verkrustete familiäre Entscheidungs- und Machtstrukturen des Clans hätten längst geändert gehört. Was aber überhaupt nicht geht, ist die Art und Weise, wie etwa die Mitarbeiter über die Zukunft völlig im Unklaren gelassen werden. Wattens, das hat auch die vorherige und jetzige Führung oft betont, sei das „Hirn und Herz“ des Konzerns. Das herauszureißen und ins Ausland zu verlagern, wäre Selbstzerstörung.

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