Innsbruck (OTS) Die Kritik von Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl, dass die Tiroler im heimischen Tourismus Gäste zweiter Klasse sind, ist heillos überzogen. Doch seine Botschaft pickt und befeuert damit leider die unsäglichen Wutbürger.

Fühlen Sie sich als Tiroler zweiter Klasse? Erwin Zangerl (ÖVP) heizt die Debatte vor dem richtigen Start in die Wintersaison an und nimmt einmal mehr den heimischen Tourismus ins Visier. Zangerl ist Populist genug, um zu wissen, dass er über das Ziel hinausschießt, gleichzeitig jedoch den Nerv vieler Menschen im Land trifft. Denn es gibt immer einen Grund, auf etwas sprichwörtlich „angefressen“ zu sein. Doch in Zeiten der großen Vertrauenskrise gegenüber der Politik, Institutionen und Medien schürt Zangerl damit auch Stellvertreter-Emotionen.
Für die einen sind es die Flüchtlinge und Asylwerber, die bevorzugt werden und deshalb den sozialen Frieden gefährden. Die anderen wiederum schimpfen, weil sie als Tiroler nur Tempo 100 auf der Autobahn fahren dürfen. Und die Europäische Union redet selbstverständlich mit, welche Bäche und Naturräume zwischen Außerfern und Osttirol besonders schützenswert sind. Aus diesem Sammelsurium von Emotionen und verkürzten Argumenten schaukelt sich dann eine Stimmung hoch, dass Tiroler im eigenen Land schlechtergestellt werden. Die Konsequenz daraus? Die Wutbürger sammeln sich zu einer konfliktgeladenen Schar, die allerdings nur eines eint: Sie fühlen sich benachteiligt und wollen es denen da oben endlich zeigen.
Es wird nicht mehr differenziert, sondern verallgemeinert, weil Wut immer die Vernunft trübt. „Recht hat er, der Zangerl“, werden sich deshalb einige Landsleute denken, obwohl Tourismusverbände und -betriebe nicht die Samariter des Landes sind. Ja, es gibt auch noch die Vollpreiszahler, von denen Wirtschaft und Tourismus ebenfalls leben. Doch Geld zu verdienen oder um Gäste zu werben, gerät plötzlich ins schiefe Licht. Die Tiroler könnten möglicherweise übergangen werden, suggeriert Zangerl Misstrauen gegenüber einer gesamten Branche. Allerdings: In den meisten Skigebieten werden gerade für Einheimische günstige Freizeit- oder Regio-Tickets, Tiroler Tage und Wochen, Familienpässe sowie Rabatte angeboten. Natürlich fordern Touristiker wegen des ihnen innewohnenden Selbstverständnisses von Tirol und seinem Tourismus nicht selten Widerspruch auf. Zugleich apern im Land immer wieder Schwachstellen aus. Hohe Lebenshaltungskosten bei vergleichsweise österreichweit unterdurchschnittlichen Gehältern und Löhnen machen es dem AK-Präsidenten letztlich einfach, auf die Benachteiligung vieler Arbeitnehmer hinzuweisen. Er hat Recht – mit seinem brachialen Sündenbock-Populismus allerdings nicht.

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