Innsbruck (OTS) Es wird wieder mehr geheiratet, Teilzeit gearbeitet, das Haus dekoriert und auf Kinder gesetzt. In den meisten Fällen wird der Job von Frauen erledigt. Das ist systembedingt, liegt aber auch an fehlender Vehemenz den Männern gegenüber.

Als Frauendiskriminierung noch offensichtlicher war, hat sich die Frauenbewegung leichter getan, sie zu bekämpfen. Es hat Vorreiterinnen gebraucht und sehr viel Mut, um Gleichberechtigung in der Bildung und in den Kollektivverträgen zu erreichen. Chancen hatten wir Frauen genug, und wir haben sie auch genutzt. An den Schulen und an den Universitäten. Dann allerdings ist Schluss. Mehr Absolventinnen, aber nicht mehr Frauen in Führungsetagen. In der Arbeitswelt ist oft mit dem ersten Kind, und damit schnell, Ende Gelände.
Heute tut sich die Frauenbewegung schwer. Diskriminierung findet sehr wohl statt, ist aber schwerer nachweisbar. Die jungen Frauen haben gesehen, wie sich ihre Mütter ob fehlender Kinderbetreuungseinrichtungen abstrampeln mussten, um mit der Doppelbelastung fertigzuwerden. Karriere scheint, in einer Generation, die ohnehin mehr Wert auf die Balance zwischen Freizeit und Arbeit legt, nicht um jeden Preis erstrebenswert.
Beflügelt von einer konservativen Welle lässt das die Zahl der Heiratswilligen steigen, und die der Langzeit-Teilzeitkräfte ebenso. Aber anstatt, so wie es die Frauen­bewegung propagiert hat, Teilzeit auf Männer und Frauen zu verteilen, seine Arbeitsleistung pro Woche zu reduzieren und ihre zu erhöhen, damit sich beide auf je 30 Wochenstunden einpendeln, ist Teilzeit stärker denn je weiblich. Teilzeit hält ewig an. Das war früher ein überschaubares Problem, bis 2003 die schwarz-blaue Regierung kam. Altkanzler Wolfgang Schüssel sorgte damals dafür, dass nicht mehr die besten 15 Jahre mit dem höchsten Einkommen zur Pensionsberechnung herangezogen werden, sondern nunmehr alle. Folgerichtig warnen Frauenpolitikerinnen vor der Gefahr der Altersarmut.
Überhaupt hat sich die Frauenpolitik in den letzten Jahren fast ausschließlich um die Frauen als Opfer bemüht. Die Verliererinnen im System standen im Mittelpunkt. Was sie zu ihrer Lage beigetragen hatten, wie sehr selbstverschuldet sie war, wurde nicht gefragt. Das hätte man vielleicht tun sollen, damit mehr Frauen mit Vehemenz Gleichberechtigung in ihren eigenen vier Wänden einfordern. Wer Familie will, muss sich zur Väterkarenz und Elternteilzeit äußern, sie vielleicht auch in Anspruch nehmen und sich zum Pensionssplitting durchringen.
Es ist sehr schade, dass die Arbeitswelt nicht stärker verweiblicht wurde. Das hätte der Gesellschaft gutgetan.

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