Ausgabe vom Samstag, 14. August 2021

Innsbruck (OTS) Die geplante Verbannung des Individualverkehrs aus der Innsbrucker Innenstadt ist ein richtiger und notwendiger Schritt. Der Alleingang der Grünen aber wird der Brisanz des Themas nicht gerecht.

Der am vergangenen Montag veröffentlichte Bericht des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) ist dramatisch: Wenn die Umweltverschmutzung nicht sofort und massiv reduziert wird, erwärmt sich die Erde schneller als befürchtet. Österreich ist besonders betroffen: Statistiken der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) belegen, dass es zwischen Boden- und Neusiedler See seit Beginn der Industrialisierung um zwei Grad wärmer geworden ist. Ohne massive Gegenmaßnahmen droht bis zum Jahr 2100 sogar eine Erwärmung um mindestens fünf Grad.
Die Folgen dieses seit Jahrzehnten andauernden Raubbaus an der Natur sind bereits jetzt schmerzlich spürbar. So genannte hundertjährliche Hochwasserereignisse, die alle zwei, drei Jahre riesige Schäden verursachen, Waldbrände, Dürren, schmelzende Gletscher, all das ist auf den Klimawandel zurückzuführen. Die Schäden sind exorbitant – nicht nur die materiellen: Immer öfter sind wie zuletzt in Deutschland oder aktuell in Griechenland und Italien auch Menschenleben zu beklagen.
Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Baustein im Kampf gegen den Klimawandel ist die Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen, die zuletzt im europäischen Klimaschutzgesetz festgeschrieben wurde. Das Erreichen der darin formulierten Ziele bedingt massive Eingriffe in unser aller Leben. Unter anderem wird es notwendig sein, den Individualverkehr, eine der größten CO²-Schleudern, einzuschränken. Die von den Grünen geplante Verbannung der Autos aus der Innsbrucker Innenstadt ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung. Die Wirksamkeit einer derartigen Maßnahme potenziert sich mit der Anzahl der Menschen, die sie akzeptieren und im täglichen Leben umsetzen. Anders gesagt: Je stärker der Klimawandel als Bedrohung und die Reduktion des Verkehrs als Mittel zur Abwehr oder Abschwächung betrachtet wird, desto erfolgreicher ist der Kampf gegen die Erderwärmung.
Eine Grundregel im (kommunal-)politischen Einmaleins lautet, dass große Entscheidungen auch große Mehrheiten benötigen. Umso unverständlicher ist vor diesem Hintergrund die Vorgangsweise der Innsbrucker Grünen. Statt sich politische Mitstreiter zu suchen und die betroffenen Wirtschaftstreibenden wie auch die Anrainer ins Boot zu holen, haben Georg Willi und Uschi Schwarzl alle Beteiligten mit ihrem Vorstoß überrumpelt. Das ist Politik mit Überschriften und wird der Brisanz des Themas nicht gerecht.

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