Innsbruck (OTS) Bisher war der Leidensdruck bei den Bezirkskrankenhäusern noch zu gering. Doch die davongaloppierenden Gesundheitskosten im stationären Bereich zwingen sie jetzt, über eine landesweite Spitalsholding nachzudenken.

Das heimische Gesundheitssystem ist je länger, je weniger finanzierbar. Die Finanzierung von Universitätskliniken, Bezirksspitälern, Krankenkassen und des möglichst flächendeckenden Systems an niedergelassenen Ärzten stellt Bund, Länder und Gemeinden vor immer größere Probleme. Allein Tirol hat im Budget für das Jahr 2017 unter dem Titel Gesundheit Ausgaben in der Höhe von 763 Millionen Euro veranschlagt. 2018 sollen es sogar 804 Millionen Euro sein. Gleichzeitig droht den vier vom Land sowie den sechs von Gemeindeverbänden geführten Krankenhäusern heuer ein Abgang in dreistelliger Millionenhöhe. Die Tiroler Gesundheitsversorgung gleicht einem Fass ohne Boden.
Zumindest ein Teil der Probleme ist hausgemacht. Wenn sich allein in der Inntalfurche zwischen Kufstein und Landeck auf einer Strecke von rund 150 Kilometern vier Bezirkskrankenhäuser und die Klinik Innsbruck mit all ihren Abteilungen (die Landeskrankenhäuser Natters und Zirl nicht miteingerechnet) finden, dann ist das toll für die Patienten und deren Angehörige. Die Spitalserhalter stellt diese Anhäufung von Einrichtungen aber vor unlösbare Probleme, zumal vor allem die Bezirkskrankenhäuser auch noch nahezu idente Fächerspektren anbieten. Auf diese Weise werden die Kosten pro Patient potenziert statt reduziert.
Eine Möglichkeit, die zugegeben schwierige Situation zu meistern, ist die jetzt wieder diskutierte Bildung einer Holding unter der Führung des größten Finanziers, also des Landes Tirol. Unter dem Dach dieses Konstrukts könnten dann nicht nur Synergien im Bereich der Beschaffung oder der Personalrekrutierung gehoben werden, auch ein landesweit einheitliches Gehaltsschema und das Ende des Konkurrenzdenkens unter den einzelnen Spitälern wären mögliche Konsequenzen.
Der Haken dabei? Die Gemeindeverbände müssten dem Land im Gegenzug zumindest das Recht einräumen, das Angebotsspektrum in den einzelnen Häusern so anzupassen, dass zwar überall eine Akutversorgung gewährleistet ist, die kostentreibenden Doppelgleisigkeiten aber weitestgehend der Vergangenheit angehören. An dieser Strukturoptimierung führt auf lange Sicht kein Weg vorbei. Die Gemeinden werden es sich in Zukunft nämlich nicht mehr leisten können, Vorschläge zur Reduzierung der laufenden Kosten nicht sofort in die Tat umzusetzen.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com



Quelle

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at

(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender.