Innsbruck (OTS) Sport und Tirol sind eine Erfolgsmarke, zuletzt waren die Nordische, die Rad- oder die Kletter-WM international ein großer Wurf. Nur die Probleme mit den stets zu niedrig angesetzten Kostenschätzungen trüben schlussendlich stets die Bilanz.

So exakt der positive regionalwirtschaftliche Effekt der Nordischen Ski-WM in Seefeld im Nachhinein mit 39,1 Millionen Euro beziffert werden kann, so ungenau wurde im Vorfeld der finanzielle Rahmen kalkuliert. Beim weltmeisterlichen Zuschlag 2014 betrug die Kostenschätzung für die Sportinfrastruktur überhaupt nur die Hälfte der tatsächlichen Aufwendungen von aktuell 30,5 Mio. Euro. Trotzdem muss bei sportlichen Großveranstaltungen in Tirol das Buch nicht von hinten gelesen werden, um danach gescheiter zu sein.
Realistische sowie nachvollziehbare Kosten- und Finanzierungsziele mit erkennbaren finanziellen Risiken, wie sie der Landesrechnungshof fordert, sind immer wiederkehrende Schwachstellen. Meist gehen sie in der WM-Euphorie unter. Anfängliche Kostenunterschätzungen wie bei der Radweltmeisterschaft 2018, der Bob-WM 2016, den Winterjugendspielen 2012 oder der Fußball-EURO 2008 trüben schlussendlich die Erfolgsbilanzen. Beim Veranstalten sind wir Weltmeister, beim Rechnen tun wir uns halt ein wenig schwer. Wie ist das möglich?
Nach wie vor sitzen die (politischen) Organisatoren leider einem Trugschluss auf: Sie rechnen zu Beginn die Kosten klein, um dann groß dabei zu sein. Und sie erwarten sich mit einer Weltmeisterschaft Marke „billiger Jakob“ wohl mehr Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Natürlich werden heute Millionenausgaben für Sport-Events kritischer hinterfragt als noch vor 30 Jahren. Weil sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Die Dimensionen und Belastungen sind viel größer, der finanzielle Aufwand steigt von Jahr zu Jahr. Aber das ständige finanzielle Nachbessern bewirkt lediglich das Gegenteil und schürt berechtigtes Misstrauen in die Sportkompetenz der öffentlichen Hand. Also: stets der Bevölkerung reinen Wein einschenken, nicht auf dem letzten Zacken ein Budget erstellen, das dann sowieso nicht hält, und einen finanziellen Pols­ter für unerwartete Ausgaben vorsehen. Ansonsten wirkt der volkswirtschaftliche Gewinn wie die Faust aufs Auge. Ein paar profitieren von der WM, während der Steuerzahler bluten muss, wird natürlich sofort verallgemeinert. Rad- oder Nordische WM haben sich das nicht verdient. Sie haben unser Land einmal mehr als Sport- und Tourismusland positioniert, Tirol konnte darüber hinaus mit einer tollen Atmosphäre und Freundlichkeit punkten. Mehr kann man sich wahrlich nicht wünschen.
Wer diese Erfolgsgeschichte gefährden möchte, muss das Kleinrechnen beibehalten. Dann wird über kurz oder lang die Bevölkerung einmal die WM-Nase voll haben.

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