Innsbruck (OTS) Corona wird viel kosten und in der Ära danach wird es an der Zeit sein, endlich auch jene in die finanzielle Verantwortung zu nehmen, die sich bisher versteckt haben. Denn harte Einschnitte dürfen nicht nur uns Bürger treffen.

Diese Krise wird im Abgang viele Fragen aufwerfen. Eine davon wird sein: Wer soll das eigentlich alles bezahlen? Im Handumdrehen haben Staaten und Notenbanken weltweit Rettungspakete geschnürt in einem Ausmaß, das die Vorstellungskraft vieler übersteigt. Hunderte Milliarden Euro von der Europäischen Zentralbank, Tausende Milliarden Dollar in den USA, weitere 4500 Milliarden Euro von den G20-Staaten, 500 Milliarden Euro in Deutschland und so weiter und so fort. Da wird man in der Post-Corona-Ära nicht umhinkommen, auch jene endlich mit in die Verantwortung zu nehmen, die über Jahrzehnte hinweg trotz Finanzkrise und maroder Staatskassen weitgehend verschont geblieben sind.
Durch Steuerbetrug sowie durch Steuertricks von Konzernen und Vermögenden gehen den EU-Staaten jährlich rund 1000 Milliarden Euro verloren. Damit ließen sich 1000 Krankenhäuser bauen und wohl fortan betreiben. Ob man sich da noch um fehlende Intensivbetten, fehlende Beatmungsgeräte, fehlende Atemmasken, fehlende Schutzanzüge oder fehlendes Personal sorgen müsste? Es wird auch nicht mehr angehen können, dass Internetkonzerne in ihren Quartalsberichten Gewinne über Hunderte Millionen oder gar in Milliardenhöhe hinausposaunen, beim Steuernzahlen aber kleinlaut werden mit dem Verweis, sich an alle geltenden Gesetze zu halten. Solche löchrigen Gesetze wird es nicht mehr geben dürfen.
Und es muss endlich Schluss damit sein, dass mitten in Europa weiter Steueroasen blühen; dass Unternehmen etwa auf Malta Steuern zahlen, aber hier die Kurzarbeit in Anspruch nehmen. Und wer soll noch für Marktgepflogenheiten Verständnis haben, die sich beispielsweise darin ausdrücken, dass sich Eigentümer eines Autokonzerns eine Dividende von mehreren Hundert Millionen Euro gönnen, und tags darauf Tausende Mitabeiter einer Tochter des Autokonzerns in Kurzarbeit geschickt werden?
Es wird sich vieles ändern müssen nach Corona. Angefangen von der Erkenntnis, dass ein stabiles Gesundheitssystem samt der nötigen Reserven ruhig etwas mehr kosten darf, bis hin zu der dieser Tage viel bemühten Solidarität auch in Steuerfragen. Staatenlenker werden darüber hinaus entscheiden müssen, ob sie sich lieber an Casinos beteiligen oder sich nicht doch lieber auf systemkritische Unternehmen konzentrieren. Denn am Ende können es nicht nur wir Bürger sein, die die harten Konsequenzen der Corona-Politik zu spüren bekommen.

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