Innsbruck (OTS) Die brutale Wahlschlacht in den USA wird bei der Supermacht tiefe Narben hinterlassen. Europa muss aus dem Schatten der USA treten und im neuen Weltentheater sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ob es will oder nicht.

Die Nervenschlacht um das Weiße Haus in den USA hielt zuletzt die ganze Welt in Atem. Das knappe Rennen zwischen dem republikanischen Amtsinhaber Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden, der im Endspurt Trump in den alles entscheidenden Bundesstaaten noch überholen konnte, entwickelte sich zu einem Psycho-Thriller. Ein amerikanischer Albtraum, der das Fundament der mächtigsten Demokratie zu untergraben droht. Auch wenn die Wahlschlacht geschlagen ist. Auch wenn sich am Ende mit Joe Biden jener Kandidat durchsetzen sollte, der im Inneren nicht auf Eskalation und in den Außenbeziehungen wieder auf internationale Verträge und Zusammenarbeit setzten sollte, ist der Schaden bereits angerichtet. Wenn Trump sich als amtierender US-Präsident noch in der Wahlnacht bei laufender Auszählung zum Sieger erklärt, die Auszählung der Briefwahlstimmen einfach stoppen lassen will, ohne jeglichen Beweis von massivem Wahlbetrug spricht und seine Anhänger – darunter schwer bewaffnete Milizen – aufhetzt, dann hinterlässt das tiefe Spuren. Dann brechen Gräben auf, die auch ein Joe Biden nicht überwinden kann. Die USA drohen in eine Staatskrise zu schlittern, Anwälte rüsten sich für ein juristisches Gemetzel, einige fürchten gar bürgerkriegsähnliche Zustände.
Die Supermacht USA strauchelt. Und mit dem Ende der USA als Anker der westlich-liberalen Welt sind auch die Säulen der etablierten Weltordnung ins Wanken geraten.
Im neuen Weltentheater wird – egal, wer schlussendlich im Weißen Haus sitzen sollte – zunehmend die Unsicherheit Regie führen und das Chaos die Hauptrolle spielen. Im Wettstreit zwischen den USA, China und Russland wird sich Europa den neuen Herausforderungen stellen müssen. Jenes Europa, das bisher nicht aus dem Schatten der USA zu treten wagte. Jenes Europa, das sich lieber in Selbstzerfleischung übt und nicht so richtig an sich glauben will.
Mit Trumps Amtsantritt manifestierte sich die neue Welt. Sein „America first“ hat die nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA etablierte liberale westliche Weltordnung aus den Angeln gehoben. Jene Weltordnung, die den USA die wirtschaftliche und militärische Vormachtstellung garantierte und Europa als Anhängsel Sicherheit und Wohlstand bescherte. Doch alte Gewissheiten kommen ins Rutschen. Ob unter Trump oder unter Biden. Europa muss in Zeiten des Umbruchs sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Und sich intern vielleicht auch von jenen trennen, die es nur bremsen wollen.

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