Ausgabe vom 19. August 2017

Innsbruck (OTS) Der erfolgreiche Kampf gegen Attentate wie in Barcelona setzt ein funktionierendes länderübergreifendes Informationsnetz von Politik, Justiz, Polizei und Geheimdiensten voraus. Davon sind wir noch weit entfernt.

Nizza, Berlin, London, Stockholm, abermals London und jetzt Barcelona – sechs Terroranschläge, sechsmal dasselbe Muster: Mit Lastwagen, Klein-Lkw oder Autos als Waffe rasen Terroristen in Menschenmengen. Einziges Ziel: So viele Menschen wie möglich zu töten. Die Bilanz ist fürchterlich: Allein bei diesen Anschlägen starben seit dem 14. Juli 2016 (Nizza) 128 Personen, mehr als 600 wurden zum Teil schwer verletzt und werden ihr ganzes Leben an den Folgen der feigen Taten leiden.
So bitter das klingt: Terroranschläge sind leider auch in Europa Routine geworden. Die Menschen müssen damit leben lernen, jederzeit und überall in einen Konflikt verwickelt zu werden, für den es keine Erklärung gibt. Zumindest keine, die wir verstehen. Ziel der Terroristen ist die westliche Lebensart, ist unsere Wohlstandsgesellschaft. Mit ihren gezielten Attacken auf Tourismuszentren sorgen die Angreifer für Verunsicherung – nicht nur in den Anschlagsorten selbst, sondern in der ganzen westlichen Welt. Der wirtschaftliche Schaden ist absolute Nebensache: Hier geht es um das positive Image und das Prestige, das sich Städte wie Barcelona in jahrelanger Arbeit aufgebaut haben. Die Wucht der Attentate droht auch sie dahinzuraffen.
Der Ohnmacht und Wut über diese grausame Serie zum Trotz sind gerade jetzt Werte wie Frieden, Freiheit, Toleranz, Solidarität und Gemeinschaftssinn von besonderer Bedeutung. Werte, die es zu verteidigen gilt. Damit der Terror nicht länger Routine ist.
So wie der Brexit dazu geführt hat, dass die 27 verbliebenen Staaten der Europäischen Union allen nationalen Interessen zum Trotz wieder stärker am Integrationsprozess arbeiten, führt auch die nicht enden wollende Serie von Terroranschlägen zu einem internationalen Zusammenrücken. „Wir lassen uns nicht einschüchtern!“ Dieser Satz wird seit Donnerstagabend in den sozialen Netzwerken tausendfach verbreitet. Eine wichtige und richtige Reaktion, die allein aber nicht ausreicht. Effiziente Terrorismusbekämpfung setzt eine größtmögliche Kooperation im Sicherheitsbereich voraus, ein funktionierendes länderübergreifendes Informationsnetz von Politik, Justiz und Polizei unter Einbindung der Geheimdienste. Langfristig ist der Kampf gegen die Terroristen nur zu gewinnen, wenn sie rechtzeitig erkannt und isoliert werden. Die Tatsache, dass viele Täter der jüngsten Attentatswelle den jeweiligen Behörden als so genannte „Gefährder“ bekannt waren, beweist nur, wie weit wir von diesem Idealzustand noch entfernt sind.

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