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Innsbruck (OTS) Rudolf Anschober hätte allzu gerne die Pandemie für bekämpft erklärt. Dazu fehlte ihm am Ende die Kraft.
Dass er in seiner Abschiedsrede den Kanzler nicht einmal ignorierte, gibt aber auch Auskunft über diese Regierung.

Rudolf Anschober war lange Zeit der populärste grüne Minister des Kabinetts Sebastian Kurz II. Auch sehr zum Leidwesen des Kanzlers, der es bislang nicht gewohnt war, das Scheinwerferlicht mit anderen teilen zu müssen. Anschober war eine Art Gegenentwurf zu Kurz. Der Minister verzichtete bewusst auf Angstparolen, machte niemandem ein X für ein U vor, versuchte zu erklären. Und ja, er entschuldigte sich, wenn Fehler gemacht wurden. Und es wurden Fehler gemacht. Er übte sich dabei nicht in Schuldzuweisungen. Je länger jedoch die Gesundheitskrise andauerte, desto mehr wurde aus seinem verbindenden Ton ein pastoraler. Seine Schautafeln und die immer wiederkehrenden Phrasen von den entscheidenden Metern und Wochen im Kampf gegen die „größte Gesundheitskrise seit 100 Jahren“ nahmen an Wirkkraft merklich ab. Dafür sorgte neben hausgemachten Pannen seit dem Spätherbst auch der Koalitionspartner. Dass es ihm, Anschober, an Durchschlagskraft fehle, war da noch die vornehmste türkise Kritik. Ein regelrechtes Foul beging dann der Kanzlers, als er während des ersten Spitalaufenthalts des Ministers einen Angriff gegen Anschobers Covid-Sonderbeauftragten startete. Anschober biss sich auf die Zunge, machte weiter, ohne ein Wort der Kritik. Er wollte seine „letzten Meter“ im Kampf gegen die Pandemie mit Anstand zurücklegen. Sein Ziel war klar: Er hoffte, als verantwortlicher Gesundheitsminister das absehbare Ende der Pandemie verkünden zu können. Da spielte nicht nur seine Gesundheit nicht mit. Er musste immer öfter erkennen, dass der Koalition die Einigkeit, die sie am Beginn der Krise ausgezeichnet hatte, abhandengekommen ist. Stattdessen machten sich Parteitaktik und Populismus breit, wie er zum Abschied anmerkte. Dies alles führte also zum Rücktritt eines Ministers, dessen anfängliche Popularität andernorts als Gefahr wahrgenommen wurde. So wundert es vielleicht dann wenig, dass der seit 30 Jahren aktive grüne Spitzenpolitiker den Kanzler in seiner Abschiedsrede nicht einmal ignorierte. Der Zustand dieser Regierung, die einst glaubte, das Beste aus beiden Welten vereinen zu können, hat ihre beste Zeit hinter sich. Trotzdem sollten sich Kurz und Vizekanzler Werner Kogler darauf besinnen, verantwortungsvoll – und ohne Spielchen – den Kampf gegen die Pandemie zu Ende zu führen. Sollten Türkise und Grüne dazu nicht mehr in der Lage und willens sein, sollten sie den Mut haben, dies auszusprechen.

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