Innsbruck (OTS) Konsumentenschützer drängen seit Langem auf eine Insolvenzversicherung für Airlines. Die jüngsten Pleiten samt Zigtausender gestrandeter Passagiere zeigen die Dringlichkeit. Was für Reiseveranstalter gilt, muss auch für Fluglinien gelten.

Die harte Landung der Air Berlin und nun auch ihrer österreichischen Tochter Niki hat mehrere grundsätzliche Probleme im Umgang mit Großpleiten wieder ans Tageslicht gebracht. Eines davon ist die Frage, ob und ab wann der Staat eingreifen soll. Ist es zulässig, staatliche Überbrückungshilfen in ein Unternehmen zu pumpen, um es dank öffentlicher Gelder künstlich am Leben zu halten, bis ein Retter anfliegt? Die rund 1000 Beschäftigten und deren Familien würden es danken. 16.200 Menschen in Österreich dagegen, deren Job heuer nach einer Firmenpleite nicht staatlich gerettet wurde, sehen das vermutlich etwas anders. Die „Too big to fail“-Debatte hatte sich bereits im Bankensektor im Zuge der Finanzkrise entzündet. Sie nun wieder aufflammen zu lassen, wäre ein seltsames Signal. Im Fall von Niki kommt noch eine Besonderheit hinzu: Die Airline galt eigentlich ob ihrer wertvollen Start- und Landerechte als Filetstück der Air-Berlin-Gruppe und hat entsprechend das Interesse mehrerer Käufer geweckt. Der EU-Wettbewerbsbehörde nun die Pleite in die Schuhe zu schieben, weil sie der Lufthansa aus Sorge um ein mögliches Monopol die Niki-Übernahme verwehrt hat, greift auch zu kurz. Schließlich ist die Behörde dazu da, den Wettbewerb sicherzustellen und eben Monopolbildungen zu verhindern, die langfristig die Preise anheizen. Schneller – und noch dazu endgültiger – ließen sich andere Fragen beantworten. Nämlich was tun mit den weltweit 40.000 gestrandeten Niki-Passagieren, die ihr Ticket nicht über einen Reiseveranstalter gebucht haben und damit ohne gültigen Rückflug auf ihren Koffern sitzen? Oder mit denen, die mit dem Niki-Ticket in der Hand ihren anstehenden Flug canceln müssen? Hier geht es um insgesamt 200.000 Menschen. Es braucht dringend eine Insolvenzversicherung, wie es bei Reiseveranstaltern seit vielen Jahren üblich ist. Passagiere wären abgesichert, Regierungen bräuchten sich nicht zu verrenken, um Rückholaktionen zu starten. Konsumentenschützer und Reiseverbände drängen seit Langem darauf, bisher vergeblich.
Selbst Hoteliers mit Kombi-Angeboten wurden zu Reiseveranstaltern samt Versicherungspflichten „upgegradet“. Die milliardenschwere Flugbranche hingegen stemmt sich seit Jahren gegen eine Insolvenzversicherung. Dabei bleiben im Fall einer Airline-Pleite rasch mehrere hunderttausend Menschen am Boden. Hier muss die Flugbranche in die Pflicht genommen werden.

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