Innsbruck (OTS) In Tirol ist „leistbarer“ Wohnraum relativ. Wer nichts erbt, tut sich mit dem Eigenheim schwer oder geht zur Bank. Das funktioniert, solange die Kreditzinsen niedrig sind. Gebaut wird jedenfalls überall bis zum Abwinken.

Die Ansprüche sind höher geworden. Mehr Quadratmeter pro Person, und neben dem Haus sollen sich noch der Urlaub und der Flatscreen ausgehen. Ein Trend, dem viele folgen wollen, obwohl sie es sich eigentlich nicht leisten können. In Tirol ist diese Grenze trotz niedrigster Kreditzinsen schnell überschritten, die Grundstückspreise haben astronomische Höhen erreicht, die Finanzkrise hat den Rest besorgt. Statt das Geld auf die Bank zu tragen, wird es in Beton investiert. Ob sich das Investment lohnt, darf zumindest bezweifelt werden.
Wenn die Wohnungspreise nicht im selben Ausmaß steigen wie die Mietpreise, schmilzt die Rendite. Das nennt sich Blase und ist Jammern auf hohem Anlegerniveau. Für jene, die im Haus im Grünen ein Vorsorgeprojekt für Generationen sehen, ist es eine veritable Gefahr. Lage, Lage, Lage – das Betongeld hält. In dislozierten Gegenden schaut das gleich anders aus. Während die heute 40- bis 50-Jährigen in Tirol 12.000 Menschen pro Jahrgang stellen, sind es bei den Null-bis 15-Jährigen rund 7000. Es kommen also fast nur mehr halb so viele Wohnungssuchende nach. Wer soll also in die Häuschen im entlegenen Grünen einziehen, die noch dazu in 25 Jahren schon etwas abgewohnt sein werden? Wenn es nicht die eigenen Kinder übernehmen, dürfte der Markt dafür ein bescheidener sein. Da kann in vielen Gebieten auch die Zuwanderung nicht helfen. Letztere passiert außerdem auch nicht flächendeckend.
Ungeachtet dessen wird weiter gebaut, überall bis zum Abwinken, vorzugsweise in die grüne Wiese und vor allem, um ein hehres Ziel zu erreichen: Wohnen billiger zu machen. Und obwohl wir sehen, dass das nicht funktioniert, weil Wohnen in den letzten Jahren teurer und nicht billiger geworden ist, halten wir eisern an den derzeit geltenden Regeln fest. Wenn die Landespolitik dem Markt überhaupt irgendetwas entgegenhalten will, braucht es tatsächlich andere Werkzeuge als das gerade eben novellierte Raumordnungsgesetz. Es braucht Mut, den Bürgermeistern, Baulandhortern und Grundbesitzern auf die Finger zu klopfen. Es braucht Mut, zu sagen, dass nicht nur in Griechenland teils über die Verhältnisse gelebt wird. Es wäre höchst an der Zeit, in die Höhe zu bauen und die Glorifizierung des Häuschens im Grünen zu beenden. Es geht darum, genügend Platz für öffentlichen Raum zu erhalten. Zum Erholen und zum Leben, um sich zu begegnen – und nicht, um hinter der Thujenhecke zu vereinsamen.

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