Innsbruck (OTS) Wenn die Regierung im Frühjahr vieles – nicht alles – richtig gemacht hat, dann hat sie in den letzten Monaten vieles – nicht alles – falsch gemacht. Nur das Marketing hat sie nicht geändert. Doch diese Krise ist für Marketing ungeeignet.

Um Mitternacht wird das Land zum zweiten Mal heruntergefahren. Es stimmt, darüber kann man sich ärgern und empören. So bitter es im Moment klingen mag – es gibt mit Blick auf die höchst angespannte Situation des Gesundheitssystems wohl keine andere Lösung, als erneut das öffentliche Leben nahezu abzuschalten.
Trotzdem darf und muss man sich hierzu Fragen stellen. Für den ersten Lockdown waren ein bislang unbekanntes Virus und die angsteinflößenden Fernsehbilder aus der Lombardei verantwortlich. Die Bedrohung war greifbar. Die Regierung nahm das Heft des Handelns in die Hand. Sie hatte Erfolg – und sie war über ihr Handeln im Nachhinein voll des Lobes. Sie sagte uns in ihren immer wiederkehrenden Pressekonferenzen, wie großartig sie das Land durch die Krise gebracht habe.
Doch wenn damals im Frühjahr die Regierung vieles (nicht alles) richtig gemacht hat, dann hat sie in den Monaten bis zum zweiten Lockdown auch vieles (nicht alles) falsch gemacht. Das Blatt hat sich radikal gewendet. Auch ob des Fehlverhaltens von uns Bürgern. Der Vorsprung aus dem Frühjahr wurde verspielt. Wir können vom virologischen Quartett Sebastian Kurz, Werner Kogler, Rudolf Anschober und Karl Nehammer nicht erwarten, dass es uns gepaart mit Selbstreflexion eine Fehleranalyse seines Umgangs mit der Pandemie präsentiert. Aber es ändert nicht einmal sein Krisen-Marketing. Während die Grünen ihre Rolle als Pragmatiker der Orientierungslosigkeit beibehalten, versteht es der Bundeskanzler, sich als Retter in allen Lebenslagen zu präsentieren. Da ist er ein Meister seines Faches. Knapp vor Ostern prophezeite uns der Kanzler die Auferstehung. Ende August erblickte Kurz ein Licht am Ende des Tunnels. Und jetzt? Mit dem harten Lockdown will der Regierungschef das Weihnachtsfest retten. Sollen wir jetzt auch noch applaudieren? Nein, das hätte man tun können, wenn im Bund und in den Ländern die Kontrolle über die Infektionen nicht verloren gegangen wäre, wenn die Expertenkommission der Corona-Ampel auch ein Gewicht gehabt hätte, wenn Vorbereitungen getroffen worden wären, um eben die Schulen nicht wieder zuzusperren.
Was uns bleibt, ist das Prinzip Hoffnung, mit Blick auf die Spitäler und auf die Lernbereitschaft der Regierung. Denn Krisen-Marketing allein hilft vielleicht dem Kanzler, ist aber keine Strategie, um einem dritten Lockdown zu entgehen.

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