Wien (OTS) ie SPÖ-Mitglieder sorgten für ein denkbar knappes Wahlergebnis – und eine weitere Zuspitzung im roten Machtkampf. Das Lager um Rendi-Wagner hat verloren, kann aber eine Kampfabstimmung entscheiden. Freundschaft!

Die von der Teilnahme her erfolgreiche Mitgliederbefragung sorgte für eine Niederlage der Parteivorsitzenden Pamela Rendi-Wagner. Die erste Frau an der Spitze der SPÖ wurde von der Basis abgestraft. Für Rendi-Wagner sorgte der gestrige Tag für ein bitteres Ende einer von Anfang an verkorksten politischen Karriere. Verloren hat aber auch die Wiener SPÖ. Sie hat einen Teil ihrer Macht verspielt. Sie stellte sich im Machtkampf hinter Rendi-Wagner.
Die Urabstimmung schaffte aber keine Klarheit. Das Gegenteil ist der Fall. Der rote Machtkampf geht in die Verlängerung. Die Sozialdemokratie ist drauf und dran, sich weiter zu beschädigen.
Die Partei wählte zwar einen mutigen Weg der Demokratisierung, doch welchen Wert hat das Votum der Parteimitglieder? Jetzt könnte sich die chaotische Organisation der Abstimmung rächen. Die Frage, was zu tun sei, wenn keiner der Kandidaten in der Mitgliederbefragung eine absolute Mehrheit erzielt, fand keinen Platz. Stattdessen versuchte SPÖ-Manager Christian Deutsch, die Urabstimmung immerzu abzuwerten, denn die eigentliche Entscheidung müsse sowieso der Parteitag treffen.
Jetzt steht die Partei genau vor diesem Dilemma. Die Parteimitglieder haben abgestimmt, doch die Funktionäre am Parteitag werden entscheiden.
Es kann also zu einer Kampfabstimmung zwischen dem Erstplatzierten Hans Peter Doskozil und Andreas Babler kommen. Während Doskozil und Rendi-Wagner im Vorfeld der Abstimmung erklärten haben, sie werden das Ergebnis der Urabstimmung akzeptieren, hat Babler stets gemeint, dass er bei einem knappen Ergebnis am Parteitag antreten werde. Das könnte jetzt der Fall sein.
Also doch ein Showdown am Parteitag am 3. Juni? Vieles deutet auf eine Kampfabstimmung zwischen dem burgenländischen Landeshauptmann und dem Traiskirchner Bürgermeister hin.
Und ja, Doskozil hat gestern die Abstimmung gewonnen, aber der Sieger ist Babler. Er hat die Partei politisiert wie schon lange keiner mehr vor ihm. Er brennt für seine linken Ideen.
Selbst wenn er auf eine Kampfabstimmung verzichten sollte, wird Babler in der Partei künftig eine gewichtige Rolle einnehmen. Doskozil wird auf ihn zugehen und versuchen, ihn einzubinden. Tritt Babler an, dann hat er gute Chancen, diese Kampfabstimmung zu gewinnen. Das Rendi-Lager hat verloren, aber über Nacht könnte ein immer wieder anzutreffendes Prinzip Geltung erlangen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Freundschaft!

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