Innsbruck (OTS) Ein Zahlungsausfall der viertgrößten Volkswirtschaft Europas wäre für die EU und die Eurozone weit schwerer zu verkraften. Italiens Spiel mit den Schulden bedroht die Existenz der Eurozone.

Von Stefan Eckerieder
Italien darf kein Griechenland werden, warnt Bundeskanzler Sebastian Kurz. Die Wahrheit ist: Eine Pleite Italiens würde die EU und vor allem die Eurozone weit mehr mitnehmen, als es ein Zahlungsausfall Griechenlands getan hätte.
Mit einer Verschuldung von 130 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Italien EU-weit an vorletzter Stelle. Dahinter rangiert nur der Beinahe-Pleitestaat Griechenland. Doch der Schuldenberg Italiens ist mit 2300 Milliarden Euro wesentlich größer als jener des kleineren Griechenlands, für den europäischen Rettungsfonds ESM eine Nummer zu groß und damit eine weit größere Gefahr für die Eurozone. Dennoch will das Land seinen Schuldenberg weiter vergrößern, um das Dreifache als mit der EU vereinbart. Zwar ist Italien von einem Zahlungsausfall noch ein gutes Stück weit entfernt, doch birgt das von der EU-Kommission abgelehnte Schuldenbudget die Gefahr einer Kettenreaktion.
Bereits jetzt steigt der Druck. Die Eurogruppe will sich in ihrer nächsten Sitzung die viertgrößte Volkswirtschaft der EU vornehmen. Zudem haben die wichtigsten Ratingagenturen begonnen, die Kreditwürdigkeit Italiens herabzusetzen. Die Herabstufung auf Ramschniveau würde eine weitere Verschärfung für die ohnehin bereits schwer angezählten Banken Italiens bedeuten. Sie könnten ihre Papiere nicht länger als Pfand bei der Europäischen Zentralbank hinterlegen, wenn sie Geld aufnehmen wollten. Das Land würde auf den Staatsanleihen sitzen bleiben. Das Szenario hätte weitreichende Folgen für die italienische Wirtschaft und vor allem für die Industrie im Norden des Landes, die bislang für Stabilität sorgt. Die italienische Regierung sieht den Ausweg aus der Schuldenmisere hingegen darin, durch eine Erhöhung der Staatsausgaben den Konsum anzukurbeln. Ein Weg, der in der Vergangenheit nicht selten auch zum Erfolg führte, aber nur, wenn er von tiefgreifenden Strukturreformen begleitet wurde. Doch die Koalition aus Rechts- und Linkspopulisten hat sich für das Gegenteil entschieden. Von Vorgängerregierungen beschlossene Reformen sollen rückgängig gemacht werden, etwa das Pensionsalter wieder auf 62 Jahre gesenkt werden.
Wie die populistische Regierung Griechenlands macht Italien vor allem die Politik der EU für die eigene Misere verantwortlich. Doch nach langem Pokern mit der EU beendete Griechenland das Spiel, bevor das Blatt ausgereizt war. Bleibt zu hoffen, dass auch die italienische Regierung weiß, wann es Zeit ist auszusteigen.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

[ad_2]

Quelle

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at

(C) Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender.