Innsbruck (OTS) Der soziale Wohnbau allein wird den freien Markt in der Landeshauptstadt nicht zähmen können. Die Antwort auf die steigenden Preise muss vielschichtiger sein. Zudem fehlt der städtischen Wohnungspolitik offenbar das Zukunftsbild.

Innsbruck ist die teuerste Landeshauptstadt Österreichs und verzeichnete 2020 einen weiteren Mietanstieg auf durchschnittlich 18,30 Euro je Quadratmeter. So wie es aussieht, kann nicht einmal die Corona-Krise die sich nach oben drehende Preisspirale stoppen. Das Problem ist nicht neu – die Antwort der Stadtpolitik ist seit jeher dieselbe: der Ausbau des Angebots an Sozialwohnungen. Die Politik versucht also, durch einen von ihr regulierten Wohnungsmarkt den freien Markt zu beeinflussen und dessen negative Effekte zu dämmen. Dafür scheint ihr auch nahezu jedes Mittel recht zu sein – der Eingriff in Eigentumsrechte, der Verbau von Freiflächen und die Nachverdichtung, die teilweise schon bedenkliche Ausmaße annimmt. Es ist fraglich, wie hoch die Lebensqualität für die Anrainer sowie Bewohner beispielsweise am Campagneareal in der Reichenau ist, wenn im Endausbau 1000 neue Wohnungen entstehen. Aber nicht nur, dass der Preis für diese Strategie hoch ist, sie ist bislang nicht aufgegangen – trotz steigenden Angebots wächst die Wohnungswerberliste unaufhörlich, die Preise am freien Markt konnten nicht einmal ansatzweise davon beeinflusst werden.
Der soziale Wohnbau hat natürlich seine Berechtigung und ist ein unabdingbares gesellschaftspolitisches Erfordernis – aber für Innsbruck braucht es weitreichendere Lösungen. Der Versuch, den Markt zu sättigen, scheitert schon allein an der beschränkten Siedlungsfläche. Davon abgesehen ist Innsbruck als Wohnort einfach auch enorm attraktiv: zum einen aufgrund der hervorragenden Infrastruktur und der Freizeitmöglichkeiten, zum anderen aufgrund der Bedeutsamkeit Inns­brucks als Verwaltungs-, Wissenschafts- und Universitätsstandort.
Verschärft wird dieses Nachfrage- und Angebotsmissverhältnis durch Tausende Studierende, deren Wohnbedarf die Preise weiter nach oben treibt. Drei Studenten können eben für eine Dreizimmerwohnung mehr zahlen als eine Familie. Es ist daher dringend notwendig, hier attraktive Wohnmöglichkeiten für Studierende zu schaffen, um so den Druck vom Wohnungsmarkt zu nehmen.
Und eines scheint in der Wohnungspolitik der Stadt gänzlich zu fehlen: eine breit akzeptierte und realisierbare Langzeitstrategie mit einem gemeinsamen Ziel. Irgendwann ist die letzte Fläche verbaut und die Nachverdichtung erschöpft. Und dann? Die Politik muss endlich eine offene Diskussion darüber führen, wohin sich Innsbruck entwickeln soll.

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