Innsbruck (OTS) Ab Sommer wird es schwieriger, einen Kredit zu bekommen. Damit rückt das Einfamilienhaus noch weiter in die Ferne. Ob das unbedingt schlecht ist, ist angesichts der Flächenversiegelung und Überschuldung hinterfragenswert.

Die Finanzmarktaufsicht hat sich ob der Kreditvergabepraxis bei manchen von Österreichs Banken Sorgen gemacht. Jeder zehnte Kredit hat in Österreich eine Laufzeit von mehr als 35 Jahren. In zwei von zehn Fällen beträgt die monatliche Kreditrate mehr als 40 Prozent des verfügbaren Nettohaushaltseinkommens und bei sechs von zehn Krediten liegt der Anteil der Eigenmittel unter 20 Prozent. Schuldenmachen leicht gemacht. Das machte der Staat vor, der sich in der Corona-Pandamie mit Koste-es-was-es-wolle noch überschlagen hat, die Privaten zogen mit. Beide lebten in vielen Fällen über ihren Verhältnissen.
Das Volumen der Wohnbaukredite ist in Österreich von 2007 auf 2021 von 60 Milliarden Euro auf 128 Milliarden Euro gestiegen. Es hat sich also mehr als verdoppelt.
Gebaut wurde auf Teufel komm raus. Österreich ist Europameister im Flächenverbrauch. In der Tiroler Landespolitik herrschte lange Zeit die These vor, dass man nur viel genug bauen müsste, damit das politische Ziel des leistbaren Wohnens erreicht werden könnte. Die These hat sich überholt. Denn jetzt ist klar, dass wir ungefähr doppelt so viele Wohnungen bauen, wie es Haushaltsgründungen in Tirol gibt. Die Preisrallye hat sich durch den enormen Bauboom auf Pump nicht aufhalten lassen. Im Gegenteil, die Wohnungen und vor allem Grundstücke sind noch teurer geworden. Seit 2007 haben sich die Preise für Wohnimmobilien in Österreich verdoppelt.
Warum die Finanzmarktaufsicht jetzt handelt und die Kreditvergabe verschärft? Die Großwetterlage ändert sich. Die Europäische Zentralbank hat als oberste Währungshüterin versagt. Statt der angestrebten zwei Prozent Inflation müssen wir jetzt mit sieben Prozent zurechtkommen. Die USA haben die Zinswende bereits vollzogen, die EZB hat sie angekündigt. Damit werden Kredite teurer. Das könnte für viele, die risikoreich kalkuliert haben, zu teuer werden. Ein Hauch von Immobilienblase liegt in der Luft. Mit verschärften Kreditvergaberichtlinien will die Finanzmarktaufsicht sowohl dem enormen Bauboom auf Pump und der Preisrallye am Immobiliensektor Herr werden als auch einer Blase entgegensteuern.
Die Entwicklung fordert jedenfalls die Politik. Sie hat auf den Traum vom Eigenheim gesetzt und ein Leistungsversprechen abgegeben. Wer brav arbeitet, bekommt das Häuschen im Grünen und hat im Alter vorgesorgt. Platzt der Traum vom Eigenheim, weil es sich immer weniger trotz Leistung leisten können, könnte das Grundpfeiler unserer Gesellschaft aus den Angeln heben.

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