Innsbruck (OTS) Terror darf für die offene Gesellschaft niemals Resignation bedeuten. Zugleich sollten wir niemals Toleranz gegenüber den Intoleranten üben, wir sollten ebenso nie mit autoritären Mitteln versuchen, die Demokratie zu verteidigen.

Die „Insel der Seligen“ hat zwar nie Bestand gehabt, aber das Wort von Papst Paul VI. hatte ein wenig die Funktion eines Wattebauschs. Es umhüllte unsere Gesellschaft wie allenthalben die Neutralität – und erzeugte scheinbar Sicherheit. Der Terroranschlag hat uns bitter vor Augen geführt, wie angreifbar unsere Gesellschaft ist.
Der Terrorismus, der Angriff auf eine offene und demokratische Gesellschaft hat nur ein Ziel: Es soll in die offene, demokratische Gesellschaft eine Schneise geschlagen werden, um so die Gesellschaft weniger offen und weniger demokratisch zu machen.
Trotz der Wut, die in einem aufsteigt – so schwer es auch erscheinen mag: Die richtige Antwort auf den Terror kann nur das Gegenteil dessen sein, was Terroristen wollen. Aufstehen, widerstehen, die offene Gesellschaft mit breiter Brust verteidigen, die Demokratie weiter ausbauen.
Nein, wir sollten keinesfalls naiv vorgehen. Wir sollten hingegen lernen, für unsere Meinung zu streiten. Denn nur eine streitbare Demokratie ist eine lebendige, und nur eine Demokratie, die ihre Werte im Alltag hochhält, wird sie verteidigen.
Die westliche Welt, die Errungenschaften der Aufklärung sind für den Islamismus ein erklärtes Feindbild. Mit jedem islamistischen Anschlag, ob in Frankreich, Deutschland oder eben jetzt in Wien, nimmt der Hass auf Muslime in unserer Gesellschaft zu. Genau das wollen die Terroristen. Genau das müssen wir verhindern, wollen wir nicht ausgegrenzte muslimische Bürger in das Heer der militanten Islamisten treiben.
Das heißt nicht, mit blinder Toleranz geschlagen zu sein. Vielleicht waren wir das zu lange. Von Karl Popper wissen wir, dass „jede Bewegung, die Intoleranz predigt, sich außerhalb des Gesetzes stellt“. Karl Popper schrieb diese Zeilen unter dem Eindruck des Nationalsozialismus. Auch im Umgang mit dem Terror der Gegenwart kann uns sein Hauptwerk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ als Anleitung dienen. Sein „Paradoxon der Toleranz“ sollte uns im Gedächtnis bleiben: „Wenn wir unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden – und die Toleranz mit ihnen.“ Wir sollten diesen Satz ergänzen: Wenn wir beginnen, mit autoritären Mitteln die Demokratie zu verteidigen, schaffen wir die Demokratie ab.

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