Ausgabe vom Dienstag, 10. August 2021

Innsbruck (OTS) Der anstehende Wechsel des sechsfachen Weltfußballers Lionel Messi vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain lässt die Fußball-Welt (wieder einmal) aufhorchen. Den Erfolg garantiert ein Starensemble aber noch lange nicht.

Noch ist die Verpflichtung von Lionel Messi nicht offiziell. Es scheint aber nur eine Frage der Zeit, bis die Tränen des argentinischen Superstars, die nach seinem Barcelona-Abschied öffentlichkeitswirksam über die Wangen des Zauber-Flohs flossen, durch die Unterschrift bei Paris Saint-Germain getrocknet werden. Denn 120 Millionen Euro für drei Jahre Fußball­spielen stellen ein annehmbares Trostpflas­ter dar. Und passend zu der Größenordnung des Transfers, der die Fußball-Welt (wieder einmal) aufrüttelt, soll der Spitzenclub bereits den Eiffelturm angemietet haben, schließlich will ein sechsfacher Weltfußballer seinem Status entsprechend präsentiert werden.
Für die Besitzer aus Katar ist nur das Größte und Glanzvollste gut genug. Geschätzte 1,2 Milliarden Euro hat der Staatsfond „Qatar Sports Investment“ seit dem Einstieg 2011 in den Verein gepumpt – und zwar viele Meis­tertitel, aber noch nie die Champions League gewonnen. Deshalb folgt auf die ohnehin hochkarätigen Neuen jetzt auch noch Messi, ganz vorne hat Trainer Pochettino die Auswahl zwischen Mbappé, Neymar, Di María, Icardi – und bald Messi! Der Wahnsinn hat aber nicht nur in Paris Methode.
Als Real Madrid Anfang des Jahrtausends jedes Jahr einen Top-Star präsentierte, war die Ära der „Galaktischen“ geboren. Man ist geneigt, das PSG-Ensemble nun die „Außerirdischen“ zu benennen. Denn mit normalem Sponsoring hat das Konstrukt nichts gemein. Der Messi-Transfer sorgt nun für die nächs­te Eskalationsstufe im ohnehin überhitzten Transfermarkt. Das Financal Fair Play (FFP), das eigentlich verhindern soll, dass Clubs mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen, ist nur ein Papiertiger. Als 2014 gegen PSG ermittelt wurde, weil 200 Millionen Euro aus Katar als (vermeintliche) Sponsorgelder ausgewiesen wurden, lautete das Urteil Geldstrafe. Was in Katar für ein mildes Lächeln sorgte. Denn wenn Besitzer Nasser Al-Khelaifi eines verschmerzen kann, dann Geld auszugeben.
Und Messi selbst? Der verlässt Barcelona als tragischer Held, der für seinen „Herzens-Club“ sogar auf Geld verzichtet hätte. Klingt gut. Doch die Wahrheit fällt weit weniger romantisch aus – auch ein Messi, der wie viele andere Spitzen-Kicker schon Steuern nachzahlen musste, weiß um seinen Wert. Und den liest auch der 34-Jährige – allen Beteuerungen zum Trotz – am Gehaltszettel ab. „Man kann Paris gleich alle Titel schicken“, meinte zuletzt James Rodríguez. So weit ist es noch nicht. Denn auch die Galaktischen aus Madrid gewannen „nur“ einmal die Königsklasse. Geld schießt natürlich Tore, für Titel braucht es aber ein Team. Elf Einzelkönner reichen nicht, selbst wenn sie Messi oder Neymar heißen.

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