Ausgabe vom 17. August 2017

Innsbruck (OTS) Sie sind wieder gefragt, die Damen und Herren Quereinsteiger. Woche für Woche werden dem Wählerpublikum welche präsentiert. Das Programm der Polit-Newcomer ist großteils unbekannt. Es scheint auch zweitrangig zu sein.

Das Phänomen ist nicht neu. Schon in den 1990er-Jahren versuchten Parteien, mit Nicht-Parteigängern zu punkten. Die Erfahrungen mit etlichen derer, die wegen des Glamour-Faktors auf Listen kamen, waren nach der Wahl nicht gut. Und so ließen Strategen fortan von dieser Personalrekrutierungsart.
Nun ist sie wieder en vogue. Das Gros der Kandidaten des Ex-Grünen Peter Pilz sind Frauen und Männer, die bisher nicht der Politiker-Zunft angehörten. ÖVP-Chef Sebastian Kurz stellt alle paar Tage solche vor. Unter den neuesten Nationalratsmandatsanwärtern:
eine ORF-Moderatorin, eine Miss Burgenland, eine Weinkönigin. Sowohl Pilz als auch Kurz haben passable Umfragewerte. Dem einen wird derzeit vorhergesagt, die Vierprozenthürde in das Hohe Haus zu nehmen; dem anderen prognostizieren Demoskopen Platz 1. Wie viel die Quereinsteiger zu den Daten beitragen, ist empirisch nicht belegt. Schaden dürften sie jedenfalls nicht.
Dabei hat man vor allem von Kurz’ Polit-Newcomern noch nichts Handfestes vernommen. Lediglich Schlagwörter – „Ich werde eine starke Stimme“ für dieses oder jenes sein – gibt es. Was das genau heißt – und wie das im Falle des Abgeordnetendaseins bewerkstelligt werden soll, ist offen. Die Parteioberen trachten auch danach, dass Neue öffentlich wenig reden: Zu groß ist die Gefahr der unbedarften Äußerung; oder – Gott möge abhüten – einer solchen, die der Parteilinie zuwiderläuft. Kurz’ bietet – von seinen flüchtlingspolitischen Ansichten abgesehen – ebenfalls konzeptionell nicht viel. Jenen, die nachfragen, wird mitgeteilt: Im September werde er konkret werden.
Da beginnt der Intensiv-Wahlkampf. Es ist die schlechteste Zeit für sachliche Debatten. Die sind schon in Normal-Zeiten rar. In einem harten Rennen um Wählerstimmen sind sie das erst recht.
In den Dutzenden TV-Duellen werden nicht Fakten im Fokus stehen. Rhetorik, Schlagfertigkeit, Mimik, Gestik sind vorrangig – und es wird darauf geachtet, wer von den jeweils beiden stärker schwitzt. Auch wenn Inhalte nicht so aufregend sind wie Infights von Parteispitzenleuten: Die Bürger sollten sie sich zu Gemüte führen. Nach dem 15. Oktober geht es nicht darum, wer der beste Showman war oder die schillernsten Leute in das Parlament geschickt hat. Es geht darum, welchen Weg jemand in den kommenden Jahren in diesem Lande politisch gehen will. Und der sollte vorab im Detail beschrieben sein.

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