Ausgabe vom 18. Juli 2018

Innsbruck (OTS) Die geschätzten Baukosten für das Management Center Innsbruck sind nicht explodiert, sondern das Land hat einfach die jährlichen Preissteigerungen negiert. Zum Preis von 2014 wird es den Neubau auch bei der Neuausschreibung nicht geben.

Die Politik hat sich einmal mehr überdribbelt, das Management Center Innsbruck steht nach langjährigen Planungen und einem Architektenwettbewerb weiter ohne Neubau da. Weil das Land das Vorhaben noch einmal durchrechnen ließ, musste die Kostenschätzung von 80 auf 132 Millionen Euro hinauflizitiert werden. Aber abgesehen von tatsächlichen Mehraufwendungen von einigen Millionen Euro gibt es eigentlich keine Kostenexplosion. Die verantwortlichen Landespolitiker begingen allerdings einen folgenschweren Fehler: Sie haben im Regierungsbeschluss 2015 nämlich die Projektkosten auf dem Stand von 2014 eingefroren und die Wertanpassungen bis zur geplanten Fertigstellung 2022 nicht hochgerechnet. Das wäre so, als ob man 2018 ein Schnitzel zum Preis von 2013 bestellt. Bekommen würde man dafür höchstens ein Kinder-Wiener.
Das droht dem Land bei einer Neuausschreibung im Herbst ebenfalls. Zum seinerzeit politisch festgelegten Preis von 80 Millionen Euro passt das MCI wohl nur noch auf einen „Micky Maus“-Teller. Die Verzögerungen und die überhitzte Baukonjunktur haben nämlich ihren Preis. Billiger kann es nicht werden, außer der Neubau wird deutlich abgespeckt. Wie das Land und im Schlepptau die Stadt Innsbruck aus dieser Sackgasse herauskommen, wird nach wie vor im Unklaren gelassen. Wohl um die eigenen Unzulänglichkeiten weiter zu kaschieren. Und der neue Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi (Grüne) tut so, als ob ihn das alles gar nichts angehe. Mitnichten. Denn Land und Stadt tragen die Verantwortung für den gehörigen Imageschaden. Außer man will die neue Hochschule gar nicht mehr. Dem MCI nützt es derzeit freilich nichts, wenn Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) schäumt. Gleichzeitig hat der nach der Regierungsbildung im März ins ÖVP-Winkerl gestellte LR Johannes Tratter wieder einmal Oberwasser. Er ist es, der das Land und allen voran Platter vor einer „Patscherkofel-Debatte“ bewahrt hat. Dem Überbringer der schlechten Botschaft kann deshalb kein Vorwurf gemacht werden. Die zuvor für die Landesbauten zuständige Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (VP) versucht sich hingegen irgendwie herauszuschwindeln.
In diesem politischen Angriffs- und Verteidigungsmodus wird das MCI als Bauernopfer aufgerieben. Obwohl es in der Tiroler Hochschullandschaft seit Jahren eine innovative und feste bildungspolitische Größe ist. Platter sollte deshalb nicht nur schäumen, sondern eine klare Linie vorgeben und das politische Schauspiel beenden.

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