Ausgabe vom Montag, 4. Februar 2019

Innsbruck (OTS) Ein Staat wie Österreich sollte mit Pflichten für die Bürger zurückhaltend sein. Wenn die Gesundheit von Menschen, vor allem von Babys, gefährdet ist, sind sie aber geboten.

Jeder Masernfall ist einer zu viel.“ Das hat Gesundheitsministerin Beate ­Hartinger-Klein in der ORF-Pressestunde gesagt. Sie hat Recht. Ergo müsste sie für eine Impfpflicht in Österreich sein.
Das ist sie nicht. Und das begründet die FPÖ-Politikerin so: Die Bürger sollten nicht bevormundet werden. Just mit Verweis auf die – von den Freiheitlichen als erneuerungsbedürftig angesehene – Menschenrechtskonvention befindet sie: Selbstbestimmung sei ein Grundwert, der solle auch in dieser Angelegenheit gelten.
Was denkt wohl Hartinger-Klein, was sich jene Eltern ob ihres Befundes denken, deren Säugling in einer Grazer Ambulanz mit Masern angesteckt worden ist – von einem 15-jährigen Burschen, der dort ebenfalls im Warteraum saß? Werden sie ein Hohelied auf die Impffreiheit singen?
Masern sind hochansteckend. Sie sind keine Pipifax-Krankheit, es kann Komplikationen geben – Lungen- oder Gehirnhautentzündung. Masern stärken das Immunsystem nicht, wie Impfgegner behaupten, sie schwächen es über Jahre hinweg. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Für Babys (die erst ab dem sechsten Lebensmonat geimpft werden dürfen) können Masern lebensbedrohlich sein. Nicht von ungefähr war getrachtet worden, diese mittels Impfung aus dem Land zu verbannen. Die WHO hat kürzlich auf die rasant steigende Zahl von Infektionen verwiesen. 2017 wurden weltweit um 30 Prozent mehr Erkrankungen gemeldet als im Jahr davor. Trotz dieser Fakten will es Hartinger-Klein bei „Aufklärung“ belassen.
Die Argumentation wider die Masern-Impfpflicht ist jene, die es von Blauen bei der Causa Rauchen in Lokalen gab; auch da war von „Selbstbestimmung“, von der „Freiheit des Einzelnen“ die Rede. Konsequent weitergedacht heißt das etwa: Weg mit der Gurtenpflicht – weil Selbstbestimmung! Weg mit dem Tempo-Limit – weil Selbstbestimmung! Um Missverständnisse zu vermeiden: Politiker sollten mit Ge- und Verboten zurückhaltend sein. Selbstbestimmung ist ein kostbares Gut. Die Freiheit des Einzelnen hat aber dort zu enden, wo er andere mit seinem Tun oder Nichttun schädigt. Impfen bedeute einen Eingriff in die körperliche Integrität, wenden manche ein. Ja, das ist es.
Viel schwerwiegender greifen aber jene ein, die sich der Prophylaxe verwehren. Sie greifen möglicherweise ein in die Unversehrtheit anderer Menschen. Nehmen Eltern ihre dahingehende Verantwortung nicht wahr, muss der Staat Schutzgeber sein.

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