Brief europäischer Städte an die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

Wien (OTS) Der katastrophale Nuklearunfall im Atomkraftwerk Tschernobyl vor 35 Jahren hat in Österreich nicht nur radioaktiven Spuren hinterlassen, sondern auch endgültig den Antiatomkonsens in Österreich gefestigt. Aus einer Nichtinbetriebnahme des fertigen AKW in Zwentendorf und dem Atomsperrgesetz 1978 wurde nicht zuletzt durch die Katastrophe von Tschernobyl eine kontinuierliche aktive Antiatompolitik auf allen Ebenen vorangetrieben und im August 1999 das Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich beschlossen.

„Zu einer glaubwürdigen und effektiven Antiatompolitik gehört aber nicht nur das Auftreten gegen die Verwendung der Kernenergie und das Aufzeigen und Vorleben von Alternativen“, betont Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky anlässlich des Tschernobyl-Jahrestages. „Es ist auch eine zutiefst humanistische Pflicht, solidarisch zu handeln und jenen zu helfen, die Opfer dieser menschenverachtenden Technologie geworden sind.“

Wien unterstützt betroffene Gebiete in der Ukraine

Die Stadt Wien unterstützt seit vielen Jahren eine Initiative von Global 2000 zur Errichtung von Trinkwasseraufbereitungsanlagen in jenen Gebieten der Ukraine, welche von der Katastrophe von Tschernobyl schwer betroffen sind. Vor allem durch die Unterstützung der Stadt Wien konnten bereits 79 solcher Trinkwasseraufbereitungsanlagen errichtet und in Betrieb genommen werden. „In diesen Tagen werden weitere 15 Trinkwasseraufbereitungen in der Ostukraine errichtet“, so Jürgen Czernohorszky. „Die Initiative unterstützt hauptsächlich die am meisten gefährdeten Gruppen wie Schulkinder, Waisen, Kinder mit Behinderungen, schwangere Frauen in Entbindungskliniken und PatientInnen in Krankenhäusern.“

Im Rahmen des Projektes wurden unter anderem im Jahr 2020 die Errichtung von weiteren Trinkwasseraufbereitungsanlagen in den Regionen Luhansk und Kharkiv, im krisengeschüttelten Osten der Ukraine, umgesetzt. So wurden unter anderem drei Krankenhäuer, ein Waisenhaus, ein Kindergarten sowie acht Schulen mit neuen Anlagen ausgestattet. Die Nutzung von sauberem Trinkwasser – ein unverzichtbarer Grundstein für ein gesundes Leben -, das in Wien eine Selbstverständlichkeit ist, wird damit für eine immer größer werdende Anzahl an Menschen in der von Tschernobyl schwer betroffen Ukraine wieder möglich.

Forderung europäischer Städte – Kein Geld der Europäischen Union für den Bau von Atomkraftwerken

Erst diese Woche hat die EU-Kommission erneut die Bewertung der Nachhaltigkeit von Atomenergie und somit die Entscheidung über die Förderwürdigkeit entsprechender Projekte ausgeklammert und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Mit dieser Entscheidung wird auf Druck der Atomlobby die Tür für Kernenergie weiter offen gehalten.

„Fukushima hat gezeigt, dass sich katastrophale Unfälle bei der Nutzung von Kernenergie wieder ereignen können“, betont Jürgen Czernohorszky. „Kernenergie ist jedenfalls ein ungeeignetes Mittel im Kampf gegen die Klimakrise. Die Klimabilanz der Kernenergie ist keinesfalls besser als jene der erneuerbaren Energiequellen!“

„Es darf nicht sein, dass Gelder aus dem Budget der Europäischen Union in Zukunft für den Bau von Atomkraftwerken zur Verfügung stehen. Diese Gelder werden sofort für den Ausbau erneuerbarer Energien gebraucht“, so Czernohorszky.

Die Wiener Umweltanwältin Andrea Schnattinger bekräftigt: „Unsere im Kampf gegen die Klimaerhitzung gewählten Mittel dürfen nicht das gefährden, was wir schützen wollen, nämlich Mensch und Umwelt. Im dicht besiedelten Europa muss Kernenergie jetzt ein Auslaufmodell sein.“

Als Präsident des europäischen Städte-Netzwerks für ein Europa ohne Kernenergie (Cities for Nuclear Free Europe) hat Jürgen Czernohorszky daher in einem Brief an die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf die angeführten Probleme der Kernenergie hingewiesen. „Gemeinsam mit unseren Partnerstädten aus ganz Europa, in denen rund 14 Million Menschen leben, fordern wir einen Stopp der Förderung von Kernenergie zur Bekämpfung der Klimakrise!“ (Schluss)

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Michaela Zlamal
Mediensprecherin StR Jürgen Czernohorszky
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