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Rom/New York/Zürich/Wien (OTS) Wie die Vereinten Nationen heute mitteilten, hat im Jahr 2020 der Hunger weltweit dramatisch zugenommen – ein Großteil dieser negativen Entwicklung ist wahrscheinlich auf die Folgen von COVID-19 zurückzuführen. Ein Bericht mehrerer UN-Organisationen schätzt, dass rund ein Zehntel der Weltbevölkerung – 811 Millionen Menschen – im vergangenen Jahr mangelernährt war. Diese Zahl deutet darauf hin, dass es enormer Anstrengungen bedarf, damit die Welt ihr Versprechen einlösen kann, den Hunger bis 2030 zu beenden.

Die diesjährige Ausgabe des Reports „The State of Food Security and Nutrition in the World“ ist die erste globale Bewertung dieser Art in der Ära der Pandemie. Der Bericht wird gemeinsam von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dem Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht.

Frühere Ausgaben hatten die Welt bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Ernährungssicherheit von Millionen – darunter viele Kinder – auf dem Spiel steht. „Leider legt die Pandemie weiterhin Schwachstellen in unseren Nahrungsmittelsystemen offen, die das Leben und die Lebensgrundlagen von Menschen auf der ganzen Welt bedrohen“, schreiben die Leiter*innen der fünf UN-Organisationen[1] im diesjährigen Vorwort.

Sie warnen vor einem „kritischen Wendepunkt“, auch wenn sie neue Hoffnungen auf eine verstärkte diplomatische Dynamik setzen. „Dieses Jahr bietet mit dem bevorstehenden UN Food Systems Summit, dem Nutrition for Growth Summit und der COP26 zum Klimawandel eine einmalige Gelegenheit, die Lebensmittelsicherheit und den Ernährungszustand durch die Umgestaltung der Lebensmittelsysteme zu verbessern. Die Ergebnisse dieser Veranstaltungen werden die zweite Hälfte der UN-Aktionsdekade zugunsten der Ernährung prägen“, fügen die fünf Leiter*innen der UN-Organisationen hinzu.

Die Zahlen im Detail

  • Bereits Mitte des letzten Jahrzehnts begann der Hunger schleichend anzusteigen und zerstörte die Hoffnung auf einen unumkehrbaren Rückgang. Besonders Besorgnis erregend ist, dass der Hunger im Jahr 2020 sowohl absolut als auch proportional anstieg und das Bevölkerungswachstum übertraf: Schätzungsweise 9,9 Prozent aller Menschen waren im vergangenen Jahr mangelernährt, gegenüber 8,4 Prozent im Jahr 2019.
  • Mehr als die Hälfte aller mangelernährten Menschen (418 Millionen) leben in Asien, mehr als ein Drittel (282 Millionen) in Afrika und ein kleinerer Anteil (60 Millionen) in Lateinamerika und der Karibik. Der stärkste Anstieg des Hungers fand indes in Afrika statt, wo die geschätzte Verbreitung von Mangelernährung mit 21 Prozent der Bevölkerung mehr als doppelt so hoch ist wie in jeder anderen Region.
  • Auch bei anderen Messungen war das Jahr 2020 düster: Insgesamt hatten mehr als 2,3 Milliarden Menschen (oder 30 Prozent der Weltbevölkerung) das ganze Jahr über keinen Zugang zu angemessener Nahrung: Dieser Indikator zeigt die Verbreitung der Ernährungsunsicherheit, die in einem Jahr so stark anstieg wie in den vergangenen fünf Jahren zusammen. Zudem vergrößerte sich die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern: Auf zehn ernährungsunsichere Männer kamen im Jahr 2020 elf ernährungsunsichere Frauen (gegenüber 10,6 im Jahr 2019).
  • Mangelernährung in all ihren Formen blieb weiterhin bestehen, wobei Kinder einen hohen Preis zahlten: Im Jahr 2020 waren schätzungsweise 149 Millionen Kinder unter fünf Jahren unterentwickelt, also zu klein für ihr Alter. Mehr als 45 Millionen Mädchen und Buben waren „wasted“ beziehungsweise zu dünn für ihre Größe und fast 39 Millionen waren übergewichtig[2].
  • Ganze drei Milliarden Erwachsene und Kinder konnten sich im Jahr 2020 nicht gesund ernähren, größtenteils aufgrund zu hoher Kosten für Nahrung. Fast ein Drittel der Frauen im gebärfähigen Alter litt an Blutarmut.
  • Global gesehen befindet sich die Welt trotz Fortschritten in einigen Bereichen – zum Beispiel werde mehr Säuglinge ausschließlich mit Muttermilch ernährt – nicht auf dem Weg, die Ziele für alle Ernährungsindikatoren bis 2030 zu erreichen.

Andere Ursachen für Hunger und Mangelernährung

In vielen Teilen der Welt hat die Pandemie extreme Rezessionen ausgelöst und den Zugang zu Nahrung gefährdet. Doch schon vor der Pandemie breitete sich der Hunger aus: Die Fortschritte bei der Bekämpfung der Mangelernährung hinkten bereits hinterher. Dies gilt umso mehr für Länder, die von Konflikten, Klimaextremen oder anderen wirtschaftlichen Abschwüngen betroffen sind oder mit großen Ungleichheiten zu kämpfen haben. All diese Faktoren werden im Bericht als wesentliche Treiber der Ernährungsunsicherheit identifiziert, die wiederum zusammenwirken.[3]

Bei den aktuellen Trends schätzt der Report „The State of Food Security and Nutrition in the World“, dass das Ziel 2 (Beseitigung von Hunger bis 2030) der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG’s) um rund 660 Millionen Menschen verfehlt werden wird. Von diesen 660 Millionen könnten etwa 30 Millionen von den bleibenden Folgen der Pandemie betroffen sein.

Was (noch) getan werden kann

Wie im letztjährigen Bericht dargelegt, ist die Umgestaltung der Lebensmittelsysteme von entscheidender Bedeutung, um Ernährungssicherheit zu erreichen, die Ernährung zu verbessern und eine gesunde Ernährung für alle zugänglich zu machen. Die diesjährige Ausgabe geht noch weiter und skizziert sechs „Transformationspfade“. Diese, so die Autor*innen, beruhen auf einer „kohärenten Reihe von politischen Maßnahmen und Investitionsportfolios“, um den Ursachen von Hunger und Mangelernährung entgegenzuwirken.

Abhängig von der jeweiligen Ursache (oder einer Kombination von Ursachen), mit der ein Land konfrontiert ist, fordert der Bericht die politischen Entscheidungsträger dazu auf:

  • Humanitäre, entwicklungspolitische und friedensfördernde Maßnahmen in Konfliktgebieten zu integrieren – soziale Schutzmaßnahmen sollen etwa verhindern, dass Familien ihr geringes Einkommen für Nahrungsmittel verbrauchen müssen;
  • Die Klimaresilienz im gesamten Nahrungsmittelsystem zu erhöhen – zum Beispiel, indem Kleinbauern ein breiter Zugang zu Klima-Risikoversicherungen und prognosebasierter Finanzierung ermöglicht wird;
  • Verbesserung der Widerstandsfähigkeit der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen gegenüber wirtschaftlichen Notlagen – zum Beispiel sollen durch Sach- oder Bargeldunterstützungsprogramme die Auswirkungen von pandemieartigen Schocks oder Preisschwankungen bei Nahrungsmitteln verringern werden;
  • Interventionen entlang der Versorgungsketten, um die Kosten für nahrhafte Lebensmittel zu senken – zum Besiepiel durch die Förderung des Anbaus von bioreichem Getreide oder die Erleichterung des Marktzugangs für Obst- und Gemüsebauern;
  • Armut und strukturelle Ungleichheiten zu bekämpfen – etwa durch die Förderung von Lebensmittel-Wertschöpfungsketten in armen Gemeinden durch Technologietransfer und Zertifizierungsprogramme;
  • Stärkung des Lebensmittelumfelds und Änderung des Verbraucherverhaltens – so sollen etwa industrielle Transfette eliminiert, Salz- und Zuckergehalte im Lebensmittelangebot reduziert sowie Kinder vor negativen Auswirkungen des Lebensmittelmarketings geschützt werden.

Der Bericht fordert auch ein „befähigendes Umfeld von Steuerungsmechanismen und Institutionen“, um die Transformation zu ermöglichen. Er fordert die politischen Entscheidungsträger*innen auf, sich umfassend zu beraten, Frauen und Jugendliche zu stärken und die Verfügbarkeit von Daten und neuen Technologien zu erweitern. Vor allem aber, so fordern die Autor*innen, muss die Welt jetzt handeln – oder zusehen, wie die Ursachen von Hunger und Mangelernährung in den kommenden Jahren mit zunehmender Intensität zurückkehren werden, lange nachdem der Schock der Pandemie vorüber ist.


[1] Für FAO – Qu Dongyu, Generaldirektor; für IFAD – Gilbert F. Houngbo, Präsident; für UNICEF – Henrietta H. Fore, Exekutiv-Direktorin; für WFP – David Beasley, Executiv-Direktor; für WHO – Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor.

[2] Die Regeln zur sozialen Distanzierung machten die Erhebung von Ernährungsdaten im Jahr 2020 außergewöhnlich schwierig. Einige Zahlen – insbesondere für „Wasting“ bei Kindern unter fünf Jahren – könnten höher sein als diese Schätzungen.

[3] Je mehr Treiber ein Land aufweist, desto schlimmer ist die Unter- und Mangelernährung, desto größer ist die Ernährungsunsicherheit und desto unerschwinglicher sind die Preise für gesunde Ernährung für die Bürger*innen.


Den ganzen Report in Englisch finden Sie hier.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Lisa Haber, MA., haber@unicef.at, M +43 660 380 74 59

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Quelle

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