Wien (OTS) Etwa jedes vierte Kind in der EU ist derzeit von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Anhand aktueller Daten zeigt das EUROCITIES-Städtenetzwerk die verheerenden Konsequenzen der COVID-19-Pandemie für Kinder.

Schon vor der Pandemie war das Niveau der Kinderarmut in den Städten der EU viel höher als im nationalen Durchschnitt. Jetzt, da mehr und mehr Eltern arbeitslos werden, rutschen immer mehr Kinder in die Armut ab; gleichzeitig steigen Ungleichheit und soziale Ausgrenzung aufgrund zusätzlicher Faktoren, wie die digitale Kluft und den Mangel an leistbarem Wohnraum.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle EUROCITIES-Studie auf Grundlage von Daten aus 35 Städten in 20 EU-Mitgliedsstaaten. Die Studie macht deutlich, dass Kinderarmut in Städten jeweils auf die am stärksten benachteiligten Stadtteile konzentriert ist, wo Kinder ein drei- bis zehnmal höheres Armutsrisiko haben als in wohlhabenden Bezirken. Sie zeigt auch, dass kein Land, keine Region und keine Stadt gegen die Bedrohung der steigenden Kinderarmut immun ist. Genau diesen Trend spiegelt die jüngste Entscheidung über das ESF+-Budget jedoch nicht wider. Das Europäische Parlament und der Rat der EU haben zwar beschlossen, 5 Prozent des ESF+-Budgets für die Bekämpfung von Kinderarmut bereitzustellen, allerdings gilt dies nur für EU-Mitgliedsstaaten mit überdurchschnittlich hoher Kinderarmut und berücksichtigt nicht die Auswirkungen der Pandemie.

„Wir setzen in Wien wichtige Maßnahmen, um Kindern und Jugendlichen Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Wien soll zur kinder- und jugendfreundlichsten Stadt werden“, so Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr. Mit dem Projekt Werkstadt Junges Wien und seiner partizipativen Umsetzung durch Einbindung von mehr als 20.000 Kindern und Jugendlichen ist es gelungen den Gestaltungsbedarf der Stadt Wien und all ihrer Agenden aus Kindersicht zu erheben und zu reflektieren. „Dieses einmalige Projekt wirkt nicht nur auf die Zukunft der Stadt Wien, sondern stärkt Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung als mündige Bürgerinnen und Bürger ihrer Stadt angesehen zu werden“, betont Wiederkehr.

Der beitragsfreie Kindergarten, der Ausbau der offenen Jugendarbeit oder Summercamps & Summerschool sind nur ein paar der wichtigen Schritte um Kinder und Jugendliche zu unterstützen. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien wird die Umsetzung von fast 200 in der Kinder- und Jugendstrategie vorgesehenen Maßnahmen begleiten und sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche in jeder Phase eingebunden und beteiligt sind.

„Wir müssen Maßnahmen ergreifen, die sicherstellen, dass es in Europa nicht zu einer verlorenen Generation von Kindern kommt“, betont Maarten van Ooijen, Vorsitzender des EUROCITIES-Forums für Soziales und Vizebürgermeister der niederländischen Stadt Utrecht. “Die einzige Hoffnung besteht nun darin, dass nationale Regierungen die EU-Konjunkturmittel nutzen, um sozialen Investitionen Priorität einzuräumen und unsere Kinder nicht zu vergessen.”

Städte investieren bereits beträchtliche Mittel aus ihren Kommunalbudgets in Kinderbetreuung und soziale Familienförderung. Bestätigt wurde dies erst kürzlich durch 18 Städte, die sich im Rahmen der EUROCITIES-Initiative Inclusive Cities 4 All verpflichtet haben, mehr als 6 Milliarden Euro in den Ausbau von Kinderbetreuungsdiensten und die Unterstützung von Kindern in Not zu investieren.

Doch angesichts der zunehmenden Kinderarmut und der Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Kommunalhaushalte reichen die lokalen Ressourcen nicht mehr aus und müssen durch höhere soziale Investitionen zur Förderung von Kindern aus nationalen Budgets und EU-Mitteln ergänzt werden.

Genau dieses Ziel soll die EU-Kindergarantie erreichen, indem sie alle Regierungsebenen dazu bringt, gemeinsam an einer integrierten Strategie zur Reduzierung der Kinderarmut zu arbeiten. Damit auch sicher die richtigen Bedingungen für Kinder geschaffen werden können, fordert EUROCITIES, dass die Kindergarantie

  • ungleiche Zugangsbedingungen durch die Förderung lokaler Kindergarantie-Programme ausgleicht, um Dienstleistungen auf die lokalen Bedürfnisse abzustimmen und sie so nah wie möglich am Wohnort der Kinder verfügbar zu machen;
  • eine Erhöhung der sozialen Investitionen in Kinder auf lokaler Ebene bewirkt, indem Städte ausreichende Mittel aus den EU-Haushalten und nationalen Budgets erhalten;
  • und Städte als zentrale Partner in die Entwicklung und Umsetzung der Kindergarantie einbezieht.

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Stephan Maier
Mediensprecher Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr
E-Mail: stephan.maier@wien.gv.at
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