Unternehmen verrechnete Spesen, die in TV-Werbung nicht explizit genannt waren

Wien (OTS/VKI) Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat – im Auftrag des Sozialministeriums – erfolgreich die Fiat Chrysler Automobiles (FCA) Austria GmbH geklagt. Diese ist unter anderem für die Werbung der Marke Fiat in Österreich verantwortlich und damit auch für die Gestaltung der Website www.fiat.at. In einem TV-Sport wurde ein Kfz der Marke Fiat mit den Worten „500 Tage zum Nulltarif“ beworben. Konsumentinnen und Konsumenten konnten hier die Möglichkeit in Anspruch nehmen, den Preis für das Auto erst später zu zahlen (nach 500 Tagen). Wenn Verbraucher diesen angepriesenen Zahlungsaufschub tatsächlich in Anspruch nahmen, fielen dafür allerdings 200 Euro an Spesen an. Diese Spesen wurden in der Werbung jedoch nicht erwähnt, weder im gesprochenen Text, noch in Form eines schriftlichen Hinweises. Laut Oberlandesgericht (OLG) Wien ist die Werbung daher irreführend. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Im TV-Spot fehlten außerdem gesetzlich vorgesehene Informationen. Wenn in einer Werbung für Kreditverträge oder entgeltliche Zahlungsaufschübe Zinssätze oder sonstige auf die Kosten bezogene Zahlen erwähnt werden, muss die Werbung auch bestimmte Informationen verpflichtend nennen – allen voran den effektiven Jahreszinssatz und den vom Konsumenten zu bezahlenden Gesamtbetrag. In den effektiven Jahreszinssatz sind, im Unterschied zum Sollzinssatz, auch die meisten Kosten miteinzurechnen. Das heißt, dass dieser Wert den Konsumenten ein wirkliches Bild über die auf ihn zukommende konkrete Zahlungsverpflichtung vermittelt. In der gegenständlichen Werbung wurden diese vom Gesetz zwingend vorgesehenen Informationen aber nicht genannt. Auch aus diesem Grund ist die Werbung gesetzwidrig.

„Werbungen dürfen generell nicht irreführend sein. Insbesondere bei Werbungen für Kredite und Zahlungsaufschübe müssen die Verbraucher zusätzliche Informationen erhalten, damit sie bereits im Vorfeld einschätzen können, wie teuer ihnen diese Kreditierungen kommen können. Bei Kosten in der Höhe von 200 Euro kann man definitiv nicht von einem Nulltarif sprechen“, so Dr. Beate Gelbmann, zuständige Juristin im VKI.

SERVICE: Das Urteil im Volltext gibt es unter www.verbraucherrecht.at.

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