Kaske: „Weiterentwicklung des AMS zu einer Agentur für Arbeit und Bildung“

Wien (OTS) Wie kann es gelingen, die Zahl der Arbeitslosen in Österreich deutlich zu senken? Das ist die wichtigste Frage, mit der sich die 167. Vollversammlung der AK Wien, die heute abgehalten wird, beschäftigt. Gastredner AMS-Chef Johannes Kopf betonte, der Arbeitsmarkt sei in Bewegung, das AMS auch. „Aber große Herausforderungen verlangen auch neue Antworten“, so Kopf. AK Präsident Rudi Kaske erklärte, Österreich brauche eine vorwärts gerichtete Beschäftigungsstrategie, damit möglichst viele Menschen gute Arbeit finden. In einer Resolution wird sich die Vollversammlung der AK Wien auch mit diesem Offensiv-Ansatz befassen.

Derzeit reiche das Wirtschaftswachstum nicht aus, um genug Arbeit für alle zu schaffen, so Kaske. „Wir werden in den kommenden Jahren dauerhaft mit einem Mangel an Arbeitsplätzen konfrontiert sein“, meinte er. Eine wachsende Zahl an Menschen – darunter Ältere und Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen – drohe dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt herauszufallen, wenn nichts geschieht. „Wir wollen nicht, dass diese Menschen „abgeschrieben“ werden“, sagte Kaske. „Die Menschen haben ein Recht auf Arbeit und ein Recht darauf, bei der Suche tatkräftig und ernsthaft unterstützt zu werden.“ Daher braucht es eine umfassende Beschäftigungsoffensive durch Wirtschafts-und Bildungsmaßnahmen. Auch die Aufgaben des AMS müssen neu gedacht werden.

AMS-Chef Johannes Kopf erklärte die Unterschiede zwischen den vier Arten von Arbeitslosigkeit, also friktioneller, saisonaler, konjunktureller und struktureller Arbeitslosigkeit. „Auch wenn wir im europäischen Vergleich nach wie vor eine relativ niedrige Arbeits-losigkeit haben, so müssen wir doch die höchste Arbeitslosigkeit der Zweiten Republik verzeichnen und sie steigt das fünfte Jahr in Folge. Auch die Prognosen zeigen für die kommenden Jahre leider ein weiteres Ansteigen der Arbeitslosigkeit voraus“, betonte Kopf. Eine der möglichen Antworten des AMS auf die Herausforderungen ist die Entwicklung einer neuen Job-Plattform, die mit einem völlig neuen Ansatz und leistungsfähiger IT künftig Arbeitssuchende und Arbeitgeber nicht nur schneller, sondern auch treffsicherer zusammenbringen wird.

Aus Sicht der AK soll das AMS zu einem umfassenden Anbieter von Arbeitsmarkt-Dienstleistungen gemacht werden. „Das heißt, neben Vermittlungshilfe muss in Zukunft das Angebot an Qualifizierung zu einem gleichberechtigten Schwerpunkt ausgebaut wer-den“, so Kaske. Gute Qualifizierungsmaßnahmen und finanzielle Unterstützung während der Ausbildung sollten daher ein neuer Schwerpunkt werden. „Das erfordert einen grundsätzlichen Strategiewechsel in der Positionierung des AMS zu einer Agentur für Arbeit und Bildung“, so der AK Präsident.

Wichtig sei dafür, ein sogenanntes Qualifizierungsgeld einzuführen, auf das es einen Rechtsanspruch gibt und das Zeit und ausreichend finanzielle Unterstützung für all jene bietet, die nach einiger Berufserfahrung eine weitere Ausbildung und berufliche Neuorientierung brauchen. Die Finanzierung muss aus allgemeinen Steuermitteln erfolgen, weil für diese Aufgabe nicht nur die Arbeitsmarktpolitik zuständig ist.

Zudem soll es für bestimmte Gruppen von Arbeit-Suchenden – etwa Menschen über 50 – eine Beschäftigungsgarantie geben. „Allen Langzeitarbeitslosen über 50 soll ein kollektivvertraglich bezahltes Arbeitsplatzangebot gemacht werden“, so Kaske. Dazu brauche es den Ausbau des zweiten Arbeitsmarktes. Öffentliche Aufträge sollten gezielt an jene Unternehmen vergeben werden, die auch Menschen beschäftigen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt und ohne Unterstützung keine Stelle gefunden haben.

„All diese Maßnahmen kosten Geld. Aber sie sind wirtschaftlich, weil sie Arbeitslosigkeit senken und daher auf der anderen Seite wieder Kosten einsparen. Und: Sie sind notwendig, um ein Auseinanderbrechen unserer Gesellschaft zu vermeiden“, betonte Kaske. Das AMS leiste – auch im internationalen Vergleich – hervorragende Arbeit. „Aber angesichts der Herausforderungen halte ich es für notwendig, echte Visionen für die künftige Rolle des AMS zu entwickeln und dem AMS dafür auch die Mittel in die Hand zu geben“, so Kaske.

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