Handelsumsatz insgesamt um 5,6 Prozent eingebrochen – sehr unterschiedliche Entwicklung je nach Bereich

Wien (OTS) Minus 5,6 Prozent im Zeitraum von Jänner bis November 2020 – so lautet die tiefrote Bilanz im österreichischen Handel, die von der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und dem Economica Institut für Wirtschaftsforschung präsentiert wurde. „Die Krise hat mit wenigen Ausnahmen alle Handelssektoren schwer getroffen“, erläuterte Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) bei der Handels-Jahresbilanzpressekonferenz. Datenbasis sind insbesondere Daten von Statistik Austria, auf deren Basis Analysen durchgeführt wurden. Für alle Sektoren liegen Auswertungen bis November vor, vom Einzelhandel auch vorläufige Daten für Dezember.

Mode und Kfz stark betroffen

Am stärksten hat sich die Krise im Modebereich ausgewirkt: Hier betrug der nominelle Umsatzrückgang minus 23,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Auswirkungen der Lockdowns zeigen sich überdeutlich in den Zahlen: So führte der erste Lockdown im März im Modebereich zu einem Umsatzeinbruch von minus 56,8 Prozent und im April waren es sogar minus 76,4 Prozent. Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde auch die Kfz-Wirtschaft mit einem Umsatzminus von 11,6 Prozent. Die Neukraftfahrzeugzulassungen gingen im Vergleich zu 2019 um 19 Prozent zurück. Zuwächse gab es hingegen bei der Zulassung von Zweirädern und Wohnmobile erlebten in der Covid-19-Pandemie einen regelrechten Boom.

Geringes Plus im Einzelhandel

Dank stark steigender Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel ist sich ein knappes Plus beim Einzelhandel ausgegangen. „Gegessen und getrunken wurde vorwiegend zu Hause“, erklärt Trefelik diese Entwicklung. Trotz dreier Lockdowns konnte der Einzelhandel 2020 das Umsatzniveau des Vorjahres mit plus 0,1 Prozent halten. Peter Voithofer vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung betont, dass die Handelsergebnisse je nach Bereich stark divergieren: „Die Trennlinie verläuft insbesondere zwischen dem Food- und dem Non-Food-Einzelhandel.“ Während das Food-Segment ein Plus von 8,9 Prozent verzeichnete, mussten die Non-Food-Branchen – nicht zuletzt durch die Geschäftsschließungen – ein Umsatzminus in der Höhe von 3,6 Prozent hinnehmen.

Onlinehandel profitiert

Wenig überraschend stellt sich die Entwicklung der Onlineumsätze positiv dar. „Der österreichische Internet- und Versandhandel kann sich lockdown-bedingt über ein Plus von 17,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr freuen“, sagt Iris Thalbauer, die Geschäftsführerin der Bundessparte Handel. Der Wermutstropfen dabei: Die Ausgaben der Österreicher und Österreicherinnen bei ausländischen Anbietern nimmt ebenfalls stark zu. In diesem Bereich ist es dringend notwendig, faire Wettbewerbsbedingungen für den heimischen Handel zu schaffen. „Es geht uns hier um eine faire Besteuerung und gleiche Bedingungen im Abgabenrecht“, so Thalbauer.

Ausblick schwierig

Die Konjunkturprognosen gehen von einer Erholung der heimischen Wirtschaft im Jahr 2021 aus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird laut WIFO nominell um 6,1 Prozent steigen. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte werden sich nominell um 7,5 Prozent erhöhen, jedoch das Vorkrisenniveau auch 2021 noch nicht wieder erreichen. Davon ist erst im Jahr 2022 auszugehen.

„Wie schnell sich der Handel im laufenden Jahr erholen wird, hängt maßgeblich auch vom weiteren Verlauf der Covid-19-Infektionen und den damit verbundenen Maßnahmen ab“, betont Handelsobmann Trefelik. Die Öffnung der Handelsgeschäfte mit 8. Februar war für die Unternehmen enorm wichtig, um die Liquidität zu sichern und Arbeitsplätze zu erhalten.

„Was zur Belebung des Geschäfts dringend benötigt wird und nach wie vor fehlt, ist die Öffnung von Gastronomie und Hotellerie. Darunter leiden ganz besonders die Handelsgeschäfte in den ländlichen Tourismusgebieten und in den Innenstadtlagen“, so der Sprecher des Handels abschließend. (PWK086/SE)

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