Pfanddiskussion lässt tausende Einzelhändler um Existenz zittern. Konkrete Alternativen liegen am Tisch und müssen in die Diskussion einbezogen werden.

Wien (OTS) Diese Woche finden wieder Gesprächsrunden zwischen dem Bundesministerium für Klimaschutz und den Lebensmittelhändlern statt, die von einem Pfandsystem betroffenen wären. Anstelle eines offenen Dialogs über die beste Gesamtlösung schränkt das Ministerium die Gespräche jedoch seit Monaten auf das teure, für Konsumenten umständliche und von den Nahversorgern kritisierte Konzept einer PET-Rücknahme in Einzelhandelsstandorten ein. Einen ehrlichen Austausch zu dem von der Wirtschaft vorgelegten Alternativmodell zur Erreichung der EU-Sammelziele lässt das Ministerium bisher nicht zu. Die Einzelhändler fordern die Regierung dazu auf, endlichen einen offenen Dialog über ein Gesamtkonzept zur Sammlung aller Verpackungsabfälle zu starten.

Unrealistische Kostenannahmen

„Als Nahversorger stehen wir dazu, die Sammlung von Einweg-Flaschen weiter deutlich zu steigern, wollen jedoch ergebnisoffen die beste Gesamtlösung diskutieren. Im Umweltministerium geht man weiterhin von unrealistischen Kostenannahmen aus, wenn vom Pfand als günstigster Lösung zur PET-Sammlung gesprochen wird“, zeigt sich Christian Prauchner, Bundesobmann des Lebensmittelhandels der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und selbst Kaufmann in Niederösterreich, besorgt. „Ein Pfandsystem kostet ein Vielfaches der Ministeriumsannahmen und drängt kleine Händler an den wirtschaftlichen Abgrund. Diesen Verlust von Nahversorgung und damit Lebensqualität in Österreich müssen wir verhindern“, so Prauchner weiter. Er vertritt mehr als 3.500 heimische Lebensmitteleinzelhändler, die sich gegen ein Pfand und für ein sinnvolles Gesamtkonzept aussprechen.

Enorme Kosten, die nicht ersetzt werden

Laut Berechnungen der Händler betragen alleine die Anschaffungskosten für die tausenden benötigten Rückgabeautomaten rund 250 Mio. Euro – und somit um rund 100 Mio. Euro mehr als in der Studie des Ministeriums veranschlagt. Dazu kommen für kleine Einzelhändler laufende Betriebskosten für die Pfand-Administration von über 10.000 Euro jährlich. Hinzu kommt der Umsatzverlust, wenn Pfandautomaten aus Platzgründen auf der Verkaufsfläche aufgestellt werden müssen. „Eine Ausnahme von der Rücknahmepflicht wäre aber keine Lösung“, betont Wolfgang Benischko, Gremialobmann des Lebensmittelhandels in Oberösterreich. „Wer geht denn noch zum Kaufmann um die Ecke, wenn dort Pfandflaschen nicht oder nur mit Anstehen an der Wursttheke zurückgegeben werden können? Kosten und Umsatzentgang werden zahlreiche kleine Händler nicht überleben“, hinterfragt Benischko die vermeintliche Lösung für kleine Geschäfte.

Kostenannahmen lückenhaft

Die Pfandstudie, auf die sich die Kostenannahmen des Klimaschutzministeriums stützen, ist grob lückenhaft, weiß Kaufmann Christian Prauchner aus eigener Erfahrung. Er selbst betreibt auf freiwilliger Basis einen Rücknahmeautomaten für Einwegflaschen in einem seiner beiden Supermärkte in Niederösterreich. „Personalaufwände, Anschaffungs- und Umbaukosten sowie die nötigen Flächen werden fahrlässig unterschätzt. Nur in meinem größeren Supermarkt hatte ich ausreichend Platz für die Aufstellung eines Rücknahmeautomaten. Im kleineren Markt müsste ich auf Verkaufsfläche und damit Umsatz verzichten, den mir niemand ersetzt. So wäre das bei hunderten Kaufleuten, deren Märkte damit nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könnten“, unterstreicht Prauchner.

Zusätzlich zu den oben genannten Anschaffungskosten liegen laut Berechnungen der Händler auch die laufenden Kosten für Personal, Logistikaufwand sowie Raummiete um mehr als 100 Mio. Euro jährlich höher als vom Ministerium veranschlagt, der Umsatzentgang aufgrund der verlorenen Verkaufsfläche noch nicht eingerechnet. „All diese Kosten würden letztlich beim Konsumenten landen“, so Prauchner.

Offener Dialog für Gesamtsammlung aller Abfälle gefordert

„Wir alle wollen Verpackungen noch besser sammeln. Dafür fordern wir jedoch einen Dialog über das bestmögliche, effektivste und für Konsumenten kostensparendste System. Denn das ist nicht das vorgeschlagene Pfand auf PET-Flaschen“, bekräftigt WKÖ-Lebensmittelhandels-Obmann-Stellvertreter, Christof Kastner, Großhändler aus Zwettl und Nah&Frisch Kaufmann. „Das Umweltministerium geht jedoch auf diesen Dialog bisher nicht ein, sondern fordert die Händler in den Gesprächsrunden dazu auf, ein Pfandsystem auszuarbeiten, das die Beteiligten nicht wollen!“

Kastner fordert daher von der Regierung endlich einen offenen Dialog über den von der Wirtschaft bereits vor Monaten vorgelegten 10-Punkte-Plan zu Erreichung der EU-Sammelziele. Dabei soll das bereits bestehende und gut etablierte Sammel- und Recycling-Angebot in Österreich so ausgebaut werden, dass alle Betriebe, Haushalte und der Außer-Haus-Konsum umfassend in die Sammlungen sämtlicher Verpackungen eingebunden werden.(PWK091/DFS)

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